Erstellt am: 07.02.2006
Letzte Änderung am: 07.02.2006
Die Finger eines Diabetikers sind durchaus das, was man als "strapaziertes Körperteil" bezeichnen kann. Kein Wunder, denn bei teilweise vier bis sechs Messungen am Tag, je nach Therapie, kann das schon "unter die Haut gehen".
Welche Alternativen bieten sich, um das dauerhafte Durchstechen der schmerzhaften Stelle an der Fingerbeere zu vermeiden? Welche anderen Körperteile sind zur Blutzuckermessung geeignet und welche nicht? Worauf muss ein Diabetiker achten, wenn er nicht an der gewohnten Stelle an den Fingern messen will? Und wieso tut es weh, wenn man sich in die Fingerkuppe sticht um einen Blutstropfen für die Messung zu gewinnen?
Zumindest dies kann in kurzen Worten erklärt werden: Der starke Schmerz bei der Messung an der Fingerbeere ist dadurch bedingt, dass dort immens viele Nervenbahnen verlaufen, die auf das Eindringen des Messgerätes mit Schmerzsignalen reagieren. Die Folge der dauerhaften Verletzung ist das Verhornen der Haut, was dazu führt, dass man noch tiefer stechen muss um, ausreichend Blut zu erhalten.
Unterarm statt Fingerbeere?
Das erste Problem, das sich in der Vergangenheit im Bezug auf alternative Messorte stellte, war, dass dort nicht genug Blut für eine Messung entnommen werden konnte. Dies ist durch die Entwicklung neuer Messgeräte, die mit weniger Blut auskommen, hinfällig geworden.
Eine Alternative zur "traditionellen Messung" an der Fingerbeere bieten Blutentnahmen am Unterarm, den Beinen und am Bauch. Prof. Theodor Koschinsky und seine Mitarbeiter vom Deutschen Diabetes-Forschungsinstitut (DDFI) in Düsseldorf haben hierzu Untersuchungen angestellt. Und zwar wurde bei 17 Patienten (13 davon mit Typ-1-Diabetes) der Blutzuckerspiegel im Nüchternzustand, nach schnellem Anheben des Blutzuckers durch einen Glukosetrunk und nach schnellem Absenken durch eine intravenöse Insulininjektion bestimmt. Es wurden viertelstündliche Messungen über drei bis fünf Stunden mit allen handelsüblichen Messgeräten vorgenommen.
Das Ergebnis zeigte, dass die Messungen an den alternativen Stellen im Falle starker Veränderungen des Blutzuckerspiegels den Glukosewert mit ca. einer halben Stunde Verzögerung anzeigten.
Also sollte man, um riskante Fehleinschätzungen zu vermeiden, "bis zu zwei Stunden nach einer Mahlzeit, nach einer Insulinspritze oder nach körperlicher Betätigung nur an der Hand - also an Finger, Hand- oder Daumenballen - oder am Ohrläppchen messen", so Prof. Koschinsky.
Welches Messgerät für welche Messung?
Nicht jedes Blutzuckermessgerät ist für jede Messung geeignet. Wichtig ist, dass die Stechhilfen für die alternativen Messvarianten geeignet sind: Für die Blutgewinnung an der Fingerkuppe werden farbigen Kappen auf den Nadeln verwendet, wohingegen die Stechhilfen für den Unterarm etc. durchsichtige Kappen haben. Darüber hinaus kann man eine Stechhilfe, die Unterdruck erzeugt verwenden um am Unterarm, Oberschenkel oder Bauch Messungen vorzunehmen.