Erstellt am: 06.02.2006
Letzte Änderung am: 06.02.2006
Seit Jahrzehnten arbeiten Diabetes-Forscher daran, das Prozedere des Blutzuckermessens für Betroffene erheblich zu erleichtern. Das ständige Stechen und Messen ist für Diabetiker häufig lästig, außerdem besteht immer die Gefahr einer Infektion. Zwar haben sich hier im Laufe der Jahre enorme Verbesserungen im Bereich des Blutzuckermanagements und der Geräte eingestellt, dennoch bleibt der Traum vom Messen ohne Pieksen. Kontinuierliche Blutzuckermess-Systeme, welche mit minimal-invasiven Methoden auskommen, also die Haut so wenig wie möglich verletzen, sind mittlerweile auf dem Markt. Doch die Frage nach der Zuverlässigkeit bleibt. Es ist wieder einmal Zeit, den aktuellen Stand zu beleuchten.
Kontinuierliches Glukose-Monitoring
Bei der kontinuierlichen Glukose-Messung scheinen sich derzeit viel versprechende Entwicklungen abzuzeichnen. Nach wie vor kann bei dieser Methode zwar nicht auf Einstiche in dieHaut verzichtet werden, doch sind diese auf ein Minimum reduziert. Für einen genauen Blutzucker-Verlauf muss ein Diabetiker mehrmals am Tag messen. Dennoch liefern diese punktuellen Stichproben auch immer nur einen Ausschnitt aus dem täglichen Verlaufs. Beim kontinuierlichen Glukose-Monitoring soll eine zuverlässige Dokumentation durch sekundengenaue, automatisch genommene Messwerte aus der Gewebeflüssigkeit für den Zeitraum einiger Tage die Blutzuckerkontrolle und die Diabetestherapie erheblich erleichtern.
Verschiedene Modelle – unterschiedliche Methoden
Derzeit sind hier verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Methoden zur minimal- invasiven und kontinuierlichen Blutzuckerkontrolle auf dem Markt erhältlich.
Das CGMS® der Fa. Medtronic/Minimed war 1998 das erste kommerziell verfügbare System und findet aufgrund seiner zuverlässigen Ergebnisse derzeit die häufigste Verwendung. Es beruht auf der Messung mit so genannten Nadel-Enzymelektroden. Die Spitze der Elektrode ist mit dem glukosespezifischen Enzym Glukoseoxidase beschichtet. Sie wird in das Subkutangewebe eingestochen, und die von dem Enzym hervorgerufene Reaktion liefert ein Stromsignal, das der Glukosekonzentration in der Gewebeflüssigkeit entspricht. Das Gerät speichert die Werte alle fünf Minuten und kann bis zu 72 Stunden benutzt werden. Es ist äußerst handlich und alltagtauglich. Zur täglichen Kalibrierung werden allerdings jeweils drei eigenständige Messungen benötigt. Forschungen zu einem kleineren Sensor laufen derzeit.
2003 folgte die Fa. Menarini mit ihrem GlucoDay®-System. Diese Gerät arbeitet auf der Basis der Mikrodialysetechnik. Hierbei wird ein Katheter mit einer dünnen Dialysefaser in das Subkutangewebe eingeführt. Die Faser wird mit isotoner, glukosefreier Flüssigkeit durchspült. Die Glukose wandert aus der Gewebsflüssigkeit über die Membran der Dialysefaser in die Spülflüssigkeit und wird zu einem Glukosesensor außerhalb des Körpers gepumpt. Der Vorteil dieser Methode liegt in ihrer Langzeitstabilität. Sie benötigt jedoch größere Apparaturen, was sie alltagsuntauglicher und teurer macht. Die Batteriefunktion ist derzeit auf 48 Stunden Funktionsdauer begrenzt und liefert in der Regel alle drei Minuten neue Werte. An ähnlichen Produkten mit längerer Messdauer und weniger Verzögerungen arbeiten die Firmen Hofmann-LaRoche und Disetronic, sie stehen aber noch vor der Markteinführung.
Die Firma Cygnus brachte 2002 mit GlucoWatch®G2 Biographer ein Gerät auf den Markt, das die Gewebeflüssigkeit durch die mehr oder weniger intakt bleibende Haut, also transdermal, nach außen transportieren. Mit einem schwachen elektrischen Strom, der an die Haut angelegt wird, wandern bestimmte Stoffe an die Hautoberfläche und nehmen dabei Gewebeflüssigkeit mit der darin gelösten Glukose mit. Diese kleinsten Mengen werden mit einer großflächigen Enzymelektrode gemessen. Diese Methode ermöglicht eine kontinuierliche Glukosemessung über 13 Stunden. Bei jedem Wechsel des Sensors ist nach zwei Stunden jedoch eine Kalibrierung mit einem Blutzuckerwert, der durch eine herkömmliche Messung gewonnen wurde, erforderlich. Aufgrund des Messprinzips erfolgt nur alle zehn Minuten eine Messung. Außerdem ist der GlucoWatch®G2 Biographer nur in Verbindung mit einem herkömmlichen Blutzuckertestgerät zugelassen, denn die Insulintherapie sollte laut Empfehlung des Herstellers nicht einzig mit GlucoWatch-Ergebnissen gesteuert werden.
Arbeit an der Zuverlässigkeit und Handlichkeit
Es sind also bereits einige Kontinuierliche Blutzucker-Messgeräte auf dem Markt, ausgereift sind sie jedoch noch nicht wirklich. Die Arbeit im Hinblick auf Handlichkeit, Schmerzreduzierung, Effizienz und Zuverlässigkeit geht weiter und lässt in den nächsten Jahren noch auf einige Neuerungen hoffen.
Alltagstaugliche non-invasive Messmethode bleibt Zukunftsmusik
Grundlage für eine non-invasive Messung des Blutzuckers bilden Methoden mit optischen Sensoren. Hierbei wird Licht auf die Haut gestrahlt und die Eigenschaften des zurückgestrahlten Lichtes gemessen. Den Forschern ist es trotz viel versprechender Ansätze bisher nicht gelungen, basierend auf dieser Technologie ein alltagstaugliches, zuverlässig messendes System zu entwickeln. Problematisch sind vielfältige Störfaktoren in der Haut, welche die Abgrenzung des Glukosesignals erschweren. Darüber hinaus ist die Glukosekonzentration in der Haut im Vergleich zu anderen Substanzen sehr gering. Nur mit äußerst komplexen mathematischen Methoden lässt sich das spezifische Glukosesignal aus dem gesamten Messsignal herausfiltern.
Hersteller der Blutzuckeruhr Pendra® ist pleite
Grund zur Hoffnung gab eine Zeit lang die Fa. Pendragon Medical mit ihrer Zucker-Uhr Pendra®. Diese Uhr erzeugt ein schwaches, elektromagnetisches Feld und sollte durch Wechselwirkungen indirekt und schnell die Veränderungen der elektromagnetischen Eigenschaften, die auf den Schwankungen der Blutglukose beruhen, erkennen. Nachdem der Termin der Marktreife immer wieder verschoben wurde, musste die Firma im letzten Jahr Insolvenz anmelden ohne ein taugliches Gerät präsentieren zu können.
Autor: Carolin Bunge
Quelle:
"Diabetesprofi", Heft 1/2004, Verlag Kirchheim + Co GmbH.
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