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Nicht invasive Blutzuckermessgeräte

Blutzuckermessen ohne Pieksen?

Babyhand Der tägliche Stich in die Haut gehört für viele Diabetiker zum Alltag. Um das lästige Stechen des Diabetes zu umgehen, wird seit Jahren an nicht invasiven Blutzuckermesssystemen geforscht. Gehört das tägliche Pieksen bald der Vergangenheit an?

Blutzuckermessen gehört zu den lästigen Pflichten im Alltag vieler Diabetiker. Wer Wert auf gute Blutzuckerwerte legt, muss sich dafür mehrmals täglich mit einer kleinen Nadel stechen. Das macht die Messung unangenehm und lässt die Haut manchmal empfindlich leiden. Für Menschen, die sehr schmerzempfindlich sind oder Angst vor Nadeln haben, wird die Prozedur zur Qual.

Nicht invasives Blutzuckermesssystem

So lange man Diabetes mellitus nicht heilen kann, liegt der Forschungsschwerpunkt auf der Minimierung aller Nebenwirkungen. Dazu zählen auch wunde Fingerkuppen oder die Angst vor dem Stechen. Deshalb versucht sich die Industrie für medizinische Hilfsmittel seit Jahren an der Produktion eines so genannten „nicht invasiven“ Blutzuckermesssystems. Darunter versteht man ein Messverfahren, dass ohne jeden Eingriff in die körperlich Unversehrtheit exakte Werte anzeigt. Ein nicht invasives Blutzuckermesssystem kommt ohne Blut und damit ohne das Stechen aus. Bislang sind solche Systeme jedoch Zukunftsmusik. Zwar wird eifrig an Prototypen geforscht, doch bislang erreichte keines der Produkte die Marktreife.

Schweizer Unternehmen schließt Testreihe mit nicht invasivem Messgerät

Die Solianis AG, eine medizinal-technische Firma mit Sitz in Zürich, könnte zu den ersten gehören, die ein funktionierendes, nicht invasives Messgerät entwickeln. Am 8. Dezemeber 2008 wurde eine Testreihe erfolgreich abgeschlossen: 12 Menschen mit Diabetes hatten die nicht-invasiven Blutzuckermessgeräte zu Hause und bei der Arbeit über eine Woche getestet. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass der Glukose-Monitor von Solianis Blutzuckerschwankungen im Alltag ebenso zuverlässig anzeigt wie herkömmliche Geräte. "Dies ist die erste jemals durchgeführte Studie über ein nicht-invasives Blutzuckerüberwachungssystem im Heimversuch und am Arbeitsplatz. Die Daten zeigen eindeutig, dass die Technologie funktioniert, und dass wir dieses Gerät nun zur Serienreife bringen können", freut sich Mario Stark, CEO von Solianis.

Kommt bald der Durchbruch für nicht-invasive Blutzuckermessung?

Bei aller Begeisterung will das Unternehmen keine falschen Erwartungen wecken: Die Technik ist trotz allem noch nicht so ausgereift, dass man ganz auf das Stechen verzichten könnte. Zur Eichung des neuen Gerätes muss der Blutzuckerspiegel mit einem herkömmlichen Messgerät überprüft werden und dazu braucht man doch den ungeliebten Stich ins eigene Fleisch. Auch wenn das neue Blutzuckerüberwachungsgerät Alarm schlägt, sollte man den Blutzuckerspiegel erst mit einem herkömmlichen Teststreifen kontrollieren, bevor man Gegenmaßnahmen ergreift. Bei dem nicht-invasiven Gerät handele es sich also eher um eine Ergänzung bei der täglichen Blutzuckerkontrolle als um einen echten Ersatz.

Wie funktioniert das Solianis-Gerät?

Das nicht inasive Messgerät der Firma Solianis überwacht mit mehreren Sensoren unterschiedliche körperliche Funktionen: Neben Schweiß wird der Feuchtigkeitsgehalt der Haut erfasst. Auch die Veränderung der Hautdicke und Schwankungen bei ihrer Durchblutung gehören zu den wichtigsten Faktoren der nicht invasiven Bestimmung des Blutzuckers. Diese Körperreaktion werden jedoch von Umweltfaktoren beeinflusst, die bei dem Messgerät Störungen erzeugen. Mit zusätzlichen Sensoren sollen auch die Störfaktoren erfasst werden, um eine korrekte Anzeige der Blutzuckerwerte zu ermöglichen. Neben dem Schweißsensor haben die Forscher Sensoren mit unterschiedlichen Geometrien im gleichen Chip verwendet, die im Mega- bis Gigahertzbereich arbeiten. Diese erzeugen ein elektrisches Feld und je nachdem welche Wellenlängen in den Hautschichten gemessen werden, reagieren die Sensoren auf Veränderungen der Glukosehaushalts. Störungen, die oberhalb der durchbluteten Haut auftreten, müssten dadurch ebenfalls erfasst und bei der Werteberechnung korrigiert werden können. Hinzu kommt ein optischer Sensor, der Veränderungen bei der Durchblutung der Haut erfassen kann.

Wann kommen die nicht-invasiven Messgeräte auf den Markt?

Nach dem Erfolg der Testserie mit den Diabetikern plant die Solianis AG ihre ersten Messsysteme in Europa 2010 auf den Markt zu bringen, wenn die EU diese Geräte freigibt. Die ersten Geräte sollen speziell für Typ-1-Diabetiker entwickelt werden. Das Unternehmen ist sehr zuversichtlich, was den Markt eintritt betrifft: Um die Entwicklung der prototypischen Messgeräte ohne Stechen voranzubringen, hat Solianis den Verwaltungsrat mit zwei weiteren Experten verstärkt.Für Typ-2-Diabetiker und andere Patienten mit gestörter Glukosetoleranz sollen Nachfolgemodelle produziert werden.

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