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Brittle-Diabetes

Brittle-Diabetes - Wenn der Blutzucker scheinbar ohne Grund schwankt

Sie achten auf Ihre Ernährung, halten sich streng an die mühsam eingestellte Insulin-Therapie, und trotzdem brechen die Blutzuckerwerte ohne erkennbaren Grund immer wieder aus? Es könnte sein, dass Sie unter schwer einstellbarem bzw. "labilem" Diabetes leiden, auch "Brittle-Diabetes" genannt

Es kann aber auch sein, dass die starken Blutzuckerschwankungen andere, erklärbare Ursachen haben.

Es wird oft argumentiert, dass es "Brittle-Diabetes", also den sehr instabilen Typ-1-Diabetes, dessen starke Blutzuckerschwankungen mitunter unerklärlich sind, heute eigentlich nicht mehr gibt - oder vielmehr nicht mehr geben darf, da es mit der heutigen intensivierten Therapie möglich ist, den Diabetes sehr gut einzustellen. Starken Schwankungen lägen Fehler entweder des Patienten oder des Diabetologen bzw. Arztes zugrunde. Dennoch gibt es auch Diabetiker, deren Diabetes streng kontrolliert ist, die sich an sämtliche Vorschriften halten und ihre Therapie gewissenhaft durchführen, die aber trotzdem unter häufigen Hypo- oder Hyperglykämien leiden - oft aus heiterem Himmel heraus und ohne nachvollziehbaren Auslöser.

Man muss also die Diabetiker mit unkontrollierten Blutzuckerschwankungen aufteilen in diejenigen, deren Diabetes einfach schlecht oder falsch eingestellt ist, diejenigen, bei denen die Schwankungen andere gesundheitliche Ursachen haben, und letztlich die, deren Diabetes tatsächlich "Brittle-Diabetes" zu nennen ist, weil er ohne erklärbare Ursachen instabil bleibt und keinem Muster folgt.


Was ist eigentlich "Brittle-Diabetes"?

Das englische Wort "brittle" - sprich "brittel" - bedeutet "spröde", "zerbrechlich" oder "instabil" und beschreibt damit die Eigenschaften des schwer einstellbaren Typ-1-Diabetes. Diese Form drückt sich aus in häufigeren, oft schweren Hypoglykämien, die vom Patienten nicht wahrgenommen werden (d.h. die der Hypoglykämie vorangehenden Warnsignale des Körpers werden nicht erkannt), in starken Hyperglykämien trotz hoher Insulindosen, oder in beidem - der Patient hat unerklärliche Über- und Unterzuckerungen. Welche Ursachen für diese Schwankungen liegen im Bereich der Erklärbaren?

  • Das Dawn-Phänomen: Kennen Sie das auch? Morgens ist der Blutzucker unerklärlich hoch, dabei war er doch bei der letzten Messung um Mitternacht noch so gut! Dieses sogenannte Dawn-Phänomen, also "Morgendämmerungs-Phänomen", ist bei Diabetikern nicht selten. Die Ursache liegt in der vermehrten Ausschüttung von verschiedenen Hormonen in der Nacht und am frühen Morgen. Diese erhöhen die Zuckerfreisetzung aus der Leber und setzen die Empfindlichkeit des Körpers gegen Insulin herab. Es kann auch sein, dass die Abenddosis an Insulin zu gering war. Die Blutzuckereinstellung beim Dawn-Phänomen kann schwierig sein, unter Umständen hilft Verzögerungsinsulin, welches kurz vor dem Zubettgehen gespritzt wird. Es ist sinnvoll, einige Zeit lang auch nachts mehrere Blutzuckermessungen durchzuführen, um den Blutzucker genau zu beobachten. In manchen Fällen kann eine Insulinpumpe die Lösung für Sie sein, da diese in der Nacht gleichmäßig Insulin an den Körper abgibt.
  • Das Somogyi-Phänomen: Benannt nach seinem Entdecker, äußert sich dieses Phänomen in der Gegenregulation des Körpers nach einer Unterzuckerung - durch körpereigene Ausschüttung von Glukagon steigt der Blutzucker an, was zu einem "Über-das-Ziel-Hinausschießen" und damit zu einer Hyperglykämie führen kann. Die Gegenregulation des Körpers ist bei Nicht-Diabetikern und Diabetikern eine normale Reaktion, allerdings kann sie bei Typ-1-Diabetikern gestört sein. Der Somogyi-Effekt wird von manchen Wissenschaftlern heute als wenig relevant eingeschätzt.
  • Andere, an und für sich banale Unregelmäßigkeiten, die dem Patienten unter Umständen nicht bewusst sind, zum Beispiel: 
    1. Das gespritzte Insulin wird unterschiedlich schnell vom Körper resorbiert. Dies kann zum Beispiel an der Spitzstelle liegen - im subkutanen Fettgewebe am Bauch wird Insulin schneller aufgenommen als beispielsweise an den Oberschenkeln. Da Sie ohnehin die Spritzstelle bei jeder Injektion wechseln sollten, achten Sie doch einfach mal darauf, ob andere Stellen sich unterschiedlich auf Ihre Blutzuckerwerte auswirken!

    2. Ohne dass Sie es merken, unterscheidet sich die Injektion von Mal zu Mal - zum Beispiel in der Tiefe des Einstichs (Nadellänge), in der Hauttemperatur (ist zu Haut zu kalt oder warm, kann dies auch Unterschiede in der Resorption bewirken) oder weil die Haut nicht sauber ist. Es kann auch sein, dass sich die Insulindosis geringfügig unterscheidet oder dass sogar eine Injektion vergessen wird, ohne dass einem dies bewusst ist. Hier helfen nur Routine und sorgfältige Beobachtung des eigenen Verhaltens.

    3. Psychische Hintergründe: Ein interessanter Punkt - viele Diabetiker, deren Diabetes plötzlich instabil ist, befinden sich in unruhigen Lebensphasen, machen Veränderungen durch oder haben Sorgen. Nicht ohne Grund steht das "brittle" für "instabil", "unsicher" - die Tagesform und die psychische Verfassung üben ebenfalls Wirkung auf den Körper, auf die Hormonausschüttung und das allgemeine Befinden aus, die sich dann in körperlichen Reaktionen auf die Insulindosis niederschlagen.


Was tun, wenn sich die Schwankungen trotz allem fortsetzen? Sprechen Sie mit Ihrem Diabetologen oder Arzt darüber und beobachten Sie ihren Tagesablauf genau - hier ist es sinnvoll, ein Tagebuch zu führen, in dem alle diabetes-relevanten Abläufe, aber auch allgemeine Befindlichkeiten notiert werden. Vielleicht gibt es mögliche Auslöser, die Ihnen bislang noch gar nicht bewusst waren.


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