Erstellt am: 15.10.2004
Letzte Änderung am: 15.10.2004
Auf altägyptischem Papyrus (dem "Papyrus Ebers", einem Buch der Heilkunst) aus dem Jahr 1550 v. Chr. findet sich eine Erwähnung der typischen Symptome von Diabetes. Damals wurde eine Haferschleimdiät als Therapie vorgeschlagen.
Die Hochkultur der Griechen beschäftigte sich im 4. Jahrhundert v. Chr. ausführlich mit Krankheitsbildern und Therapien: Hippokrates, einer der ersten "modernen" Ärzte überhaupt, empfahl Diät, Sport und einen gesunden Lebensstil als Mittel gegen Krankheiten - nicht anders als heute also. Galen, ein Schüler des Hippokrates, schrieb wenig später die erste detaillierte Beschreibung der Symptome von Diabetes auf: Er nannte die Krankheit wegen des häufigern Wasserlassens und des starken Dursts der Patienten "durstige Krankheit". Galen beschrieb ihr Vorkommen jedoch als sehr selten, er selbst habe nur zwei Fälle der Erkrankung beobachtet.
Altertümliche Beobachtungen über Diabetes sind aus vielen Ländern überliefert worden: In der altindischen
Sanskritmedizin (etwa 3. Jahrhundert v. Chr.) sprachen die Hindus von
"honigsüßem Urin" - lange bevor die Europäer überhaupt den Zusammenhang
zwischen Diabetes und dem erhöhten Zucker in Blut und Urin
feststellten. Die Inder beschrieben außerdem die Symptome der
Ketonkörperbildung und des diabetischen Komas. Indianerstämme
hatten im 4. Jahrhundert v. Chr. ebenfalls schon ein detailliertes Bild
von der Krankheit, die sie "Madhumeha" nannten, was übersetzt
"Honig-Urin" bedeutet. Berichtet wird, dass die Indianer beobachteten,
wie sich um den Urin von an Diabetes Erkrankten Ameisen sammelten,
offensichtlich wegen des hohen Zuckergehaltes.
Aus China
sind Aufzeichnungen aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. bekannt, in denen
ein Gelehrter namens Chen Chhuan häufige Symptome des Diabetes und die
Süße des Urins beschreibt.
Aretaeus von Kappadokien, ein griechischer Arzt, gab der Zuckerkrankheit im 2. Jahrhundert n. Chr. ihren heutigen Namen: Diabetes, was von dem griechischen "Syphon" hergeleitet ist. Die Krankheit wurde damals verglichen mit dem Durchfluss von Wasser durch einen Syphon (Syphon: griechisch für "Heber", ein Gerät, das Flüssigkeiten durch Luftdruck über ihren Spiegel hebt). Aretaeus beschrieb die Krankheit als "Schmelzen des Fleisches und der Glieder zu Harn".
Aus dem 11. und 12. Jahrhundert sind vor allem zwei Mediziner, Avicenna und Moses Maimonides, bekannt für ihr Wissen über die Zuckerkrankheit. Obwohl Galen früher aufgezeichnet hatte, dass die Krankheit extrem selten sei und er nur zwei Fälle dokumentierte, beschrieb Maimonides an die 20 beobachteten Fälle von Diabetes. Er nahm an, dass die Krankheit durch das süße Wasser des Nils verursacht werde und durch Hitze, die in den Nieren auftrete.
Bis ins 16. Jahrhundert hinein wurden kaum neue Erkenntnisse über Diabetes gesammelt. Zur Zeit der Renaissance reformierte vor allem Paracelsus die Medizin und trieb die (Diabetes-)Forschung voran. Schließlich entdeckten auch die Europäer den Zusammenhang von Diabetes und dem Zuckergehalt in Blut und Urin: Die Briten Thomas Willis und Matthew Dobson hielten in den Jahren 1674 und 1776 ihre Erkenntnisse, die sie durch Beobachtung und Forschung gewonnen hatten, für die Nachwelt fest. Willis vertrat die Auffassung, dass die Krankheit nicht durch die Nieren, sondern vielmehr durch eine Erkrankung des Blutes verursacht würde. Dobson isolierte in Experimenten durch Verdampfen von Urin eine weißliche Substanz, die er als "brüchig und kaum von Zucker zu unterscheiden" beschrieb.
Im Jahr 1769 schließlich bekam der Diabetes von dem Briten William Cullen seinen "vollen" Namen "Diabetes Mellitus". "Mellitus" bedeutet "honigsüß".
Weitere Meilensteine in der Diabetesforschung folgten rasch: Im Jahr 1857 entdeckte der Franzose Claude Bernard, dass im Darm Kohlehydrate aufgespalten und in der Leber als Glykogen gespeichert werden. Diese Beobachtung führte dazu, dass das Augenmerk bei der Diabetesforschung auf die Leber gelenkt wurde.
Paul Langerhans entdeckte 1869 die nach ihm benannten Langerhans'schen Inseln, die endrokrinen Zellansammlungen der Bauchspeicheldrüse - ein Meilenstein der Medizingeschichte. Ende des 19. Jahrhunderts demonstrierte Oscar Minowski in einem Experiment, dass die Entfernung der Bauchspeicheldrüse bei Hunden eine Diabetes-Erkrankung des Tieres nach sich zog. Damit war der direkte Zusammenhang von Bauchspeicheldrüse und Diabetes bewiesen.
Bahnbrechend war schließlich der Forschungserfolg von Frederick Banting, dem es im Jahr 1921 zum ersten Mal gelang, Insulin zu isolieren. Diabetes war bis in die 1920er Jahre hinein praktisch ein Todesurteil für die Erkrankten gewesen. Bantings Entdeckung machte es möglich, Diabetes gezielt durch die Zugabe von Insulin zu behandeln und war damit eine der dramatischsten medizinischen Entdeckungen aller Zeiten - auch wenn die damalige Versorgung noch sehr weit von den heutigen Möglichkeiten der modernen Medizin entfernt war.#
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