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Diabetes-Patienten in der DDR

Diabetes-Patienten in der DDR 1945-1990: Teil 2

Diabetologie in der ehemaligen DDR Weltweit einmalig war das Zentrale Diabetesregister. Von 1958/59 bis 1989 erfolgte eine jährliche Aufnahme und Klassifikation aller bekannten, neu erkrankten und verstorbenen Diabetiker. Die über einen Zeitraum von 30 Jahren angelegte Statistik umfasste unter anderem die Zahl der Zuckerkranken am Ende jedes Jahres, Zahl der Neuzugänge und Abgänge, Behandlungsart, Fälle mit gestörter Glukosetoleranz, personelle Besetzung der Dispensairestellen, Kinderferienlager, Arzneimittelversorgung und Problemfälle vor Ort.

Anhand dieser Daten konnten wichtige Erkenntnisse über Häufigkeit des Diabetes, Verteilung der Therapiearten und Prognose gewonnen sowie deren Qualität in den einzelnen Kreisen überprüft werden. Der Anteil der Patienten mit rein diätetischer Einstellung betrug 40 %, mit oralen Antidiabetika und Diät ebenfalls 40 % und mit Insulin behandelter 20 %.

Schulungen

Die Diabetikerschulungen fanden größtenteils in Garz auf Rügen, in Karlsburg und in Diabetes-Sanatorien statt. In den Beratungsstellen wurden individuelle und Gruppenschulungen durchgeführt. Probleme gab es bei der Versorgung der einzelnen Einrichtungen mit guten Schulungsmaterialien. Außerdem waren bis Ende der 80er Jahre Teststreifen für die Blutzucker-Selbstkontrolle eher Mangelware. Erst ab 1983/84 konnte von einer geregelten minimalen Zuteilung gesprochen werden. Harnzucker-Teststreifen waren ausreichend vorhanden. Hochwertige Produkte, wie Einweg-Plastikspritzen importierte die DDR erst zuletzt. Die Versorgung mit speziellem Insulin regelte die Regierungsapotheke in Berlin. Positiv sei angemerkt, dass alle notwendigen Medikamente kostenlos erhältlich waren. Eine abwechslungsreiche und diabetesgerechte Ernährung war zum Teil problematisch, da verschiedene Obst- und Gemüsesorten nur unzureichend vorhanden waren.

Diabetiker-Organisationen

Ein weiteres Problem war, dass in der DDR Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen nicht geduldet wurden. Gerhard Katsch gründete 1956 innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin das gesamtdeutsche Diabetes-Komitee. Kollegen aus Ost und West standen im regen fachlichem Erfahrungsaustausch, besuchten gemeinsame Diabetes-Symposien und veröffentlichten Forschungsergebnisse. Der Mauerbau 1961 erschwerte zunehmend die Zusammenarbeit. Ostdeutsche Ärzte wurden dazu aufgefordert eigene Gesellschaften zu gründen und Gremien der BRD zu verlassen. Mit der Gründung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft 1964 wurde das Komitee aufgelöst. 1967 erfolgte die Gründung der "Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel der DDR". Durch politische Auswahl konnten die ostdeutschen Ärzte nur noch begrenzt den Einladungen zu Beratungen und Tagungen in der BRD folgen. Eigene Arbeitsergebnisse konnten somit nur noch begrenzt international vorgestellt bzw. publiziert werden.

Forschung

Das ZID übernahm die Leitung und Koordination der gesamten Forschung auf dem Gebiet des Diabetes in der DDR. 1973 wurde dieser Bereich der Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der DDR in die Internationale Diabetesförderung (IDF) aufgenommen und 1980 die Hauptforschungsrichtung (HFR) "Diabetes und Stoffwechselstörungen" gebildet. Im wissenschaftlichen Rat des HFR waren fast alle Diabetologen und Lipidologen des Landes vertreten. Schwerpunkte in der Forschung des ZID in Kooperation mit dem HFR und anderen Einrichtungen waren unter anderem diabetisches Koma, Diabetes und Schwangerschaft, Prüfung von Insulinpräparaten und Therapieformen, diabetische Nephropathie und Hämodialyse, implantierbare Glukosesensoren und Eigenentwicklung von Insulinpumpen. Am 20.10.1990 trafen in Bad Lauterbach Fachärzte der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Diabetes-Gesellschaft der DDR zusammen und gaben eine gemeinsame Erklärung über die zukünftige Versorgung und Betreuung der Diabetiker ab.


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Autor: Steffi Dörries

Quelle: Bruns, Waldemar; Menzel, Ruth; Panzram, Günther; Seige, Konrad; Die Entwicklung der Diabetologie im Osten Deutschlands von 1945 bis zur Wiedervereinigung; Herausgeber: DDG

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