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Insulinanaloga

Wie wirken Insulinanaloga in der Diabetes-Therapie?

Produktion des Insulinanalogons Lantus; Foto: sanofi-aventis Insulinanaloga erleichtern seit einigen Jahren das Leben vieler insulinpflichtiger Diabetiker. Keine lästigen Spritz-Ess-Abstände mehr einhalten und vorbei das Risiko, in eine Unterzuckerung zu geraten. Doch was sind Insulinanaloga eigentlich? Was unterscheidet sie vom normalem Insulin?

Als Insulinanaloga bezeichnet man Stoffe, die in ihrer Grundstruktur gegenüber dem Insulin verändert sind. So wird Normalinsulin aus vielen Bausteinen, sogenannten Aminosäuren, aufgebaut. Diese Abfolge der Aminosäuren ist bei den Analoga an bestimmter Stelle verändert. Oft ist nur eine Aminosäure gegen eine andere ausgetauscht. Die restliche Abfolge der Bausteine ist hingegen wie beim menschlichen Insulin, also analog.

Was verändert sich durch den Austausch?

Der Effekt durch den Austausch ist gravierend. So ergeben sich völlig andere Eigenschaften bei Wirkungseintritt und/oder -dauer. Man unterscheidet heute kurz- und langwirksame Analoga voneinander. Die Auswirkungen auf den Körper sind hingegen dieselben, die auch Insulin hat.
Jedoch setzt die Wirkung des Normalinsulin erst nach 30 Minuten ein und hat sein Wirkmaximun nach ca. 1 bis 2 Stunden. Die kurzwirksamen Stoffe, wie zum Beispiel Insulin lispro (Humalog™) oder Insulinaspart (NovoRapid™), sind so verändert, dass sie schneller im Blut anfluten und wirken können (in der Regel innerhalb von 15 Minuten). Damit fällt der Spritz-Ess-Abstand praktisch weg. Betroffene können direkt nach dem Spritzen des Analogons mit der Mahlzeit beginnen. Durch die begrenzte Wirkdauer haben die Insulinanaloga den weiteren Vorteil, dass Unterzuckerungen nach dem Essen oft vermieden werden. Diese können bei Therapie mit Normalinsulin nach dem Essen auftreten, wenn das Insulin länger wirkt, als der Körper zum Verarbeiten der Mahlzeit braucht.
Mit ihrem schnellen Wirkungsprofil haben sich die kurzwirksamen Insuline in der Insulinpumpentherapie durchgesetzt. Hier wird eine konstant eingestellte Rate des Insulinanalogons ins Blut abgegeben und auf Knopfdruck kann zu den Mahlzeiten eine kurzfristige Dosissteigerung abgerufen werden. Die Vorteile sind hier, dass weniger Unterzuckerungen, besonders gefährdet sind meist die Morgenstunden, auftreten.
Nachteil der Wirkstoffe ist allerdings, dass Zwischenmahlzeiten mit der Injektion zur Hauptmahlzeit in der Regel nicht abgedeckt sind. Daher sind oft mehr Injektionen notwendig als bei der Anwendung von Normalinsulin.
Die langwirksamen Insulinanaloga eignen sich hingegen als hervorragende Grundlage für eine Insulintherapie. Sie werden nach dem Spritzen verzögert freigesetzt. So wirken Insulin glargin (Lantus™) und Insulin detemir (Levemir™) über den ganzen Tag hinweg und decken den Grundbedarf.  Kontinuierlich gelangt über 20 Stunden eine bestimmte Dosis des Wirkstoffes ins Blut. Damit kommen die Medikamente der physiologischen Ausschüttung von Insulin bei einem Nicht-Diabetiker sehr nahe. Die erfolgt mit einer konstanten Rate über den ganzen Tag. Nur bei den Mahlzeiten erhöht sich die Ausschüttung physiologisch. Hier kann die Diabetestherapie um ein Normalinsulin für die Mahlzeiten ergänzt werden.
Ein herausragender Vorteil der Langzeitinsuline ist dabei die Vermeidung von gefährlichen nächtlichen Blutzuckerabstürzen, die von den Betroffenen oft nicht wahrgenommen werden. Sie kommen unter der neuen Therapie lange nicht so häufig vor, wie beim alleinigen Verabreichen von Normalinsulin.

Nebenwirkungen und Beschränkungen beim Einsatz von analogem Insulin

Ohne Nebenwirkungen sind die Stoffe hingegen nicht. So kann es unter der Therapie, ebenso wie bei der Behandlung mit Normalinsulin, zu krankhaften Veränderungen an der Netzhaut im Auge kommen. Auch ein mögliches krebserregendes Potenzial der Analoga wird diskutiert. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft hält von der Diskussion um die Krebsentstehung jedoch nichts. Die Laborbedingungen seien nicht exakt auf das wirkliche Leben übertragbar. Da die Stoffe noch nicht lange auf dem Markt sind, müsse man erst die Langzeitergebnisse abwarten, so die DDG. Bei bisherigen Tierexperimenten hat sich zudem keine Erhöhung der Krebsrate feststellen lassen.
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft kritisiert dagegen die verhältnismäßig hohen Kosten der Therapie. Daher seien Normalinsuline immer noch den Analoga vorzuziehen. Diese wären Stoffe der zweiten Wahl, so die Kommission.
Eine frühere Beschränkung hingegen, dass Insulinanaloga nicht in der Schwangerschaft eingesetzt werden sollen, ist mittlerweile aus den Beipackzetteln verschwunden (z.B. bei Humalog™). Retrospektive Auswertungen haben bislang keine Schädigung des Fötus oder der Mutter gezeigt. Jedoch gibt es bislang keine Studien, die Nebenwirkungen bei Schwangeren ausschließen können. Dennoch gehen die Experten heute davon aus, dass der Einsatz von kurzwirksamen Insulinen in der Schwangerschaft sicher ist.
Nicht eingesetzt werden sollen die Analoga aufgrund mangelnder Erfahrungen bei Personen, die bereits eine Vorschädigung der Netzhaut haben.

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