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Blutzuckermessung

Keine Deutsche Einheit bei der Blutzuckermessung

Messen Knapp 15 Jahre nach der Wiedervereinigung konnte bisher keine einheitliche Lösung für die Angabe der Maßeinheiten des Blutzuckers gefunden werden. In Deutschland misst man daher zweierlei: Während in den alten Bundesländern in Milligramm pro Deziliter gemessen wird, erfolgt in den neuen Bundesländern die Angabe des Blutzuckers in Millimol pro Liter. Ein Unterschied der manchmal für Verwirrung sorgen kann.

„Es ist wahnsinnig irreführend“, sagt Diabetesberaterin Alexandra Vulcu. Sie pendelt beruflich zwischen dem Zentrum für jugendliche Diabetiker in Lüdenscheid (Nordrhein-Westfalen) und dem Partnerheim in Apolda (Thüringen) hin und her. Im Kopf muss sie jedes Mal umschalten. „Wenn man tagtäglich damit zu tun hat, kommt man zwar ganz schnell rein. Aber problematisch wird es, wenn die Kinder sich untereinander besuchen. Zum Glück gibt es Umrechnungstabellen.“ Die Einführung eines einheitlichen Maßes hält sie dennoch für längst überfällig. „Warum soll man sich mit so etwas zusätzlich belasten? Ein vereintes  Deutschland und Europa braucht einheitliche Maße.“

Einheit statt Chaos

Das war auch der Gründungsgedanke der Generalkonferenz für Maß und Gewicht. Im 19. Jahrhundert herrschte ein großes Durcheinander bei den Maßeinheiten. Allein im Deutschen Reich gab es zu dieser Zeit 600 verschiedene Flächenmaße. Um den ein Ende zu setzten, kam 1889 die Generalkonferenz für Maß und Gewicht zum ersten Mal zusammen. Das Ziel war die Schaffung eines einheitlichen Maßsystems. Auf der 10. Generalkonferenz im Jahr 1954 wurden sechs Basiseinheiten offiziell anerkannt. Dazu zählen Länge (Meter), Masse (Kilogramm), Zeit (Sekunde), elektrische Stromstärke (Ampere), thermodynamische Temperatur (Kelvin) und Lichtstärke (Candela). Sechs Jahre später erhielt das neue einheitliche System den Namen „Système International d´Unitès“. Die internationale Abkürzung lautet SI.  Im Jahre 1973 kam die Maßeinheit Mol, als siebente Basiseinheit, hinzu. Die ehemalige DDR übernahm die internationalen Vorgaben und führte diese in allen Bundesländern ein. Die damalige BRD hält bis heute an Milligramm pro Deziliter fest und das obwohl seit dem 1. Januar 1978 die alten Einheiten nicht mehr zulässig sind. Bei der Angabe der Blutzuckerwerte drückt man hingegen noch ein Auge zu. 

In der Charité in Berlin ging nach der Wiedervereinigung der Trend in die entgegengesetzte Richtung. Im Institut für Laboratoriumsmedizin und Pathobiochemie wird wieder in Milligramm pro Deziliter gerechnet. Probleme bei der Behandlung der Patienten aus Ost und West gab es trotz des Verwirrspiels nicht. „Die Mediziner lernen damit umzugehen. Wir gehen individuell auf unsere Patienten ein“, sagt Dr. Olga Kordonouri, Leiterin der Arbeitsgruppe für pädiatrische Diabetologie in der Charité Berlin. „Außerdem lassen sich die meisten Blutzuckermessgeräte auf die gewünschte Maßeinheit umschalten“, sagt sie weiter.  Ob es zu einer Vereinheitlichung der Maßeinheiten kommt ist bisher nicht absehbar. Angedachte EU-Gesetze sind bisher gescheitert. Um gefährlichen Verwechslungen vorzubeugen, sollte hinter jedem gemessenen Wert die verwendete Einheit notiert werden.

Autor: Steffi Dörries

Quelle: www.ptb.de

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