Erstellt am: 12.04.2005
Letzte Änderung am: 12.04.2005
Ein Zusammenhang zwischen Problemen mit der Schilddrüse und Diabetes mellitus wird häufig nicht als wichtige Folgerkrankheit erwähnt. Dies liegt laut Experten an der allgemeinen Unterschätzung der Auswirkungen dieser durchaus wechselseitigen Beziehung in der Praxis. Dabei ist es erwiesen, dass sich Funktionsstörungen der Schilddrüse und Diabetes mellitus gegenseitig massiv beeinflussen können.
Das Hashimoto-Syndrom
Mediziner wissen heute, dass besonders mit spät auftretendem Typ-1-Diabetes häufig auch das sogenannte Hashimoto-Syndrom einhergeht. Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, deren Symptome mit denen einer Schilddrüsenunterfunktion weitgehend übereinstimmen. Das Syndrom entsteht durch die Bildung von Antikörpern gegen das eigene Schilddrüsengewebe. Eben diese Antikörper finden sich auch bei spät diagnostizierten Typ-1-Diabetikern häufig.
Störungen der Schilddrüse verstärken Diabetes
Die Schilddrüse und deren Hormone sind für das Wachstum sowie für die Kontrolle des Nerven- und Muskelsystems zuständig. Das Zusammenwirken der einzelnen Schilddrüsenhormone ist optimal aufeinander abgestimmt, deshalb führen kleinste Störungen in diesen Abläufen sofort zu Stoffwechselentgleisungen. Besonders bei Frauen ab dem 45. Lebensjahr sind solche Entgleisungen häufig, jede Zweite dieser Gruppe ist heute mit einem pathologischen Schilddrüsenbefund diagnostiziert. Bei fehlender Behandlung kann auch Diabetes eine Folge sein, außerdem kann es bei Schilddrüsenpatienten, die zusätzlich unter Diabetes leiden, zu Komplikationen kommen.
Überaktive Schilddrüse
So hemmt eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) zum Beispiel im besonderen Maße die Insulinausschüttung und kann so eine Insulinresistenz verstärken. So kann es dazu kommen, dass ein bereits vorhandener latenter Diabetes zu einem manifesten Diabetes werden kann. Studien belegen, dass bei über der Hälfte aller unbehandelten Fälle einer Hyperthyreose eine gestörte Glukosetoleranz auftritt und in manchen Fällen zu einer Diabeteserkrankung führt. Bereits diagnostizierte Diabetiker mit der Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion müssen damit rechnen, dass es aufgrund der zusätzlichen Stoffwechselschwankungen trotz einer guten Blutzuckereinstellung zu häufigen Überzuckerungen kommt.
Schilddrüsenunterfunktion
Eine Unterfunktion der Schilddrüse wird oft durch eine Entzündung ausgelöst. Typ-1-Diabetiker erleiden auf Grund der autoaggressiven Prozesse einer Diabeteserkrankung etwa drei- bis fünfmal häufiger eine solche Entzündung als gesunde Menschen. Die Betroffenen müssen nun darauf achten, dass sie fortan weniger Insulin benötigen als sonst. Wird die Unterfunktion länger nicht erkannt, steigt die Gefahr einer Unterzuckerung.
Das Thema Schilddrüse nicht nachlässig behandeln
Allgemein gelten Schilddrüsenerkrankungen als weniger schwer und werden so meist vernachlässigt. Gerade als Diabetiker sollte man jedoch aufgrund der erwähnten Komplikationen regelmäßige Kontrollen einplanen; einmal jährlich wird Diabetikern von den Ärzten geraten.
Autor: Carolin Bunge
Quelle:
www.diabetespartner.de
www.pharmazeutische-zeitung.de