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Autonome diabetische Neuropathie

Autonome diabetische Neuropathie

©pixelio/ Jörg Klemme Eine besonders speziefische Folgeerkrankung des Diabetes mellitus ist die sogenannte autonome diabetische Neuropathie. Das Auftreten äußert vor allen Dingen sich in Funktionsstörungen von verschiedenen inneren Organen und nervenbedingten Störungen des Temperatur- und Schmerzempfindens. Helfen kann hier neben einer symptomatischen Therapie auch eine bessere Stoffwechseleinstellung.

Polyneuropathien sind generalisierte Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Hierzu gehören alle außerhalb des Zentralnervensystems liegenden Teile der motorischen, sensiblen und autonomen Nerven. Als häufigste Ursache der Erkrankung wird ein langjähriger Diabetes mellitus genannt, da dieser Nervenleitungen massiv schädigen kann. Aktuellen Erkenntnissen zufolge leidet nach 20-jähriger Krankheit etwa die Hälfte aller Diabetiker an einer autonomen Polyneuropathie. Stark in Mitleidenschaft gezogen wird dabei das unwillkürliche, also nicht dem eigenen Willen gehorchende, vegetative Nervensystem.

Die autonome diabetische Neuropathie wird erst seit 1945 als klinisches Dasein aufgefasst. Da sie sich nach länger bestehendem Diabetes an fast allen Organen entwickeln kann, gewinnt sie eine zunehmende Bedeutung bei den diabetischen Folgeschäden. Die Beschwerden sind vielfältig und davon abhängig, welche Organsysteme betroffen sind. Prinzipiell kann jedes autonom innervierte Organ von einer Funktionsstörung des peripheren autonomen Nervensystems betroffen sein. Um eine Ausbreitung und Folgeschäden zu verhindern, ist es wichtig, die ersten Anzeichen einer Nervenschädigung zu erkennen. Für eine erfolgreiche Behandlung ist die wichtigste Grundvoraussetzung eine möglichst normnahe Blutzuckereinstellung.

Betroffene Organsysteme: Gastrointestinaltrakt (Magen-Darmtrakt) und kardiales System

Die autonome diabetische Polyneuropathie tritt am häufigsten am Herz-Kreislaufsystem und am Magen-Darm- und Urogenitaltrakt auf.

Ist ein Abschnitt des Gastrointestinaltrakts von der Neuropathie betroffen, treten oft sehr unspezifische Beschwerden auf, was die Diagnose für den Arzt erschwert. Es können Symptome wie Übelkeit, Schluckstörungen, Völlegefühl, Schmerzen in der Magengegend oder häufige Unterzuckerungen kurz nach den Mahlzeiten auftreten. Diese Symptome lassen primär auf eine Lähmung der Magenmuskulatur (diabetische Gastroparese) schließen, sind aber durch eine Nervenschädigung im Magen-Darm-Bereich zu erklären. Eine autonome Nervenschädigung am Dünndarm drückt sich durch eine chronische Diarrhö (Durchfall) aus, die von Phasen normalen Stuhlverhaltens unterbrochen sein kann. Voluminöse wässrige Durchfälle können verstärkt auch in der Nacht auftreten. Ist der Dickdarm von der autonomen Neuropathie betroffen, sind Verstopfung, Blähungen und Völlegefühl die Folge. Bis zu 60 Prozent der Patienten mit langjährigem Diabetes leiden jedoch an genereller Verstopfung (Obstipation), was dem Arzt die eindeutige Diagnose einer diabetischen Neuropathie erheblich erschwert.

Die kardiale (das Herz betreffend) autonome Neuropathie ist insbesondere bei Patienten mit Typ-1-Diabetes schwerwiegend. Sie geht mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität einher. Deswegen sollten die frühen Stadien der kardialen autonomen Neuropathie unbedingt erkannt werden.
Beim kardialen System können verschiedene Bereiche in Mitleidenschaft gezogen werden. So können beispielsweise die Nervenfunktionen, die die Herzschlagfolge und den Blutkreislauf regulieren beeinträchtigt sein. Symptome und Folgen, die auftreten können sind Ruhetachykardie (umgangssprachlich Herzrasen), eine eingeschränkte Herzfrequenz-variabilität, eine Belastungsintoleranz, eine linksventrikuläre Dysfunktion (gestörte Auswurffunktion der linken Herzkammer) oder sogar ein plötzliche Herztod. Für die Behandlung des Patienten ist es wichtig, autonome Störungen im Bereich des Herzens frühzeitig zu erkennen. Symptome können unklare Schwindelzustände nach dem Aufstehen, ein zu rascher Pulsanstieg bei Belastung oder ein Fehlen des nächtlichen Blutdruckabfalls sein. Besonders gefährlich ist hier die gestörte kardiale Schmerzwahrnehmung, da der Patient deswegen eine Myokardischämie (Durchblutungsstörung der Herzmuskulatur) gegebenenfalls nicht rechtzeitig bemerkt.

Therapeutischen Möglichkeiten

Eine autonome Neuropathie des Magen-Darm-Traktes führt zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. An einer gestörten Magenentleerung für feste Speisen, leiden bis zu 30 Prozent der Patienten mit einem langjährigen Diabetes. Liegt ein Verdacht auf eine diabetische Gastroparese (Magenlähmung) vor, kann der Hausarzt die Behandlung mit einfachen Methoden in seiner Praxis beginnen. Zumeist kann aber nur eingeschränkt und symptomatisch behandelt werden, da nur wenige Medikamente zur Verfügung stehen.
Auch die Diagnostik für eine autonome Nervenschädigung am Dünn- oder Dickdarm ist schwierig und die Behandlung erfolgt rein symptomatisch. Die therapeutischen Möglichkeiten werden häufig durch Beckenbodengymnastik ergänzt. Die Funktionsprüfung des kardiovaskulären autonomen Nervensystems erfolgt indirekt durch Messung der autonomen Einflüsse auf die Funktion des Zielorgans mit Hilfe von Reflextests. Eine Prüfung erfolgt beispielsweise durch die Messung der Herzfrequenzvariabilität bei Taktatmung und durch ein 24-Stunden-EKG. Aus all diesen Gründen gilt bei der diabetischen Neuropathie nach wie vor die Prävention als das beste Mittel zum Zweck.

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