Erstellt am: 19.11.2011
Letzte Änderung am: 19.11.2011
Hunde können drohende Unterzuckerungen (Hypoglykämie) bei ihren Herrchen und Frauchen durch ihren ausgeprägten Geruchssinn erkennen. Manchem Diabetiker hat dementsprechend der eigene Hund schon das Leben gerettet. Simone Oberenzer hat sich diesem Gebiet gewidmet. Sie bildet spezielle Servicehunde für Diabetiker aus, die bei drohender Gefahr Alarmschlagen.
Solche Diabetikerhunde lernen nicht nur Unterzuckerungen zu erkennen und anzuzeigen, sie bringen Traubenzucker oder schlagen bei Ohnmacht Alarm. Wie das möglich ist? Erst einmal sind Hunde sehr soziale Tiere: Sie sind sehr anhänglich und beschützen die Menschen, zu denen sie sich gehörig fühlen. Zudem verfügen die Tiere über einen ausgezeichneten Geruchssinn. Wenn ein Mensch unterzuckert, bilden die Hormone in Schweiß und Atem einen bestimmten Geruch, den der Hund schon nach kurzem Training zu erkennen lernt.
Ein Hund gegen die Angst vor der Unterzuckerung
Die Hundetrainerin Simone Oberenzer ist selbst Diabetikerin und hatte Jahre lang mit plötzlichen Unterzuckerung zu kämpfen. Die meisten Diabetiker lernen mit der Zeit eine beginnende Unterzuckerungen dank körperlicher Symptome wie starkem Schwitzen, Schwindel, Übelkeit, Durst oder Kopfschmerzen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Simone Oberenzer hatte keine derartigen Symptome. Sie unterzuckerte unbemerkt und wurde plötzlich einfach ohnmächtig. Eine Unterzuckerung ist potentiell tödlich. Wenn sie unbehandelt bleibt, fällt der Diabetiker erst in Ohnmacht und nach kurzer Zeit in ein diabetisches Koma. Ein Freund erzählte der Studentin Oberenzer schließlich von einer Ausbildung für Hunde in den USA. In Deutschland gab es damals keinerlei vergleichbare Angebote. Simone flog daraufhin auf eigene Kosten in die Staaten und lernte dort, wie man einen solchen Diabetikerhund trainiert.
Ein tierischer Lebensretter für Diabetiker
Zurück in Deutschland trainierte sie zweieinhalb Jahre lang einen zutraulichen Welpen zu ihrem persönlichen Diabetikerhund. Das Experiment gelang so gut, dass sie ehrenamtlich Hunde für andere Diabetiker trainierte. Das sprach sich herum und irgendwann war die Nachfrage so groß, dass Simone Oberrenzer sich zwischen Lehramtstudium und Hundetraining entscheiden musste. Heute führt Simone Oberenzer die deutschlandweit einzige Hundeschule für Diabetiker- und andere Servicehunde. Eine Ausbildung dauert circa 18 Monate und erfordert viel Engagement von Hund und Herrchen. Sie lohnt sich am meisten für Welpen, die besonders sensibel, lernwillig und sozial veranlagt sind. Durch Tests werden diese Welpen ausgewählt. Einmal pro Woche geht es dann zum Hundetraining. Zwischendurch sollen Hund und Herrchen Hausaufgaben und den Alltag bewältigen lernen. Diabetikerhunde werden nicht nur für Erwachsene sondern auch für Kinder ausgebildet.