Erstellt am: 27.04.2010
Letzte Änderung am: 27.04.2010
Extrapfunde durch Diabetes sind zu Beginn einer Diabetestherapie nicht ungewöhnlich. Mehr Wasser im Körper, eine Veränderung des Zuckerhaushaltes, da durch Insulin die Kohlenhydrate aus der Nahrung besser verwertet werden können oder Heißhungerattacken aufgrund einer Unterzuckerung durch zu viel Insulin kommen zu beginn jeder Therapie vor und pendeln sich im Laufe der Behandlung wieder ein.
Diabetes mellitus wird in zwei Typen unterschieden. Der Unterschied zwischen Diabetes Typ-1 und Typ-2 ist, dass beim Typ-1 die körpereigene Produktion von Insulin vollständig zum Erliegen gekommen ist und beim Typ-2 dagegen der Körper nur noch ungenügend auf die körpereigene Insulinausschüttung reagiert (sog. Insulinresistenz). Menschen mit Diabetes Typ-1 benötigen demnach das Hormon sofort während Betroffene mit Diabetes Typ-2 im Durchschnitt erst zehn Jahre nach Beginn Ihrer Krankheit Insulin zuführen müssen. Anfänglich ist beim Diabetes Typ-2 Insulin im Blut vorhanden, auf welches die Körperzellen jedoch kaum reagieren. Mit der Zeit sprechen die Körperzellen immer weniger auf das Insulin an und können dadurch zunehmend weniger Zucker aufnehmen, sie werden insulinresistent. Diese mangelnde Insulinempfindlichkeit bzw. der Insulinmangel bei Typ-1 Diabetikern führt dazu, dass die Zellen weniger Zucker bekommen und dieser stattdessen im Blut verbleibt.
Was ist Insulin?
Das Peptidhormon Insulin reguliert die Aufnahme von Glukose in die Körperzellen. Es wird im Körper ausgeschüttet, wenn kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Zucker oder Stärke verzehrt werden. Es wird vom Körper benötigt, um die aufgenommenen Kohlenhydrate zu verwerten. Gleichzeitig fördert Insulin aber auch den Aufbau von Fettzellen und kann zu Heißhungerattacken führen. Ist der Blutzuckerspiegel über Jahre erhöht, ist das oftmals die Ursache für Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Arteriosklerose.
Kurzfristige Gewichtszunahme ist normal
Eine kurzfristige Gewichtszunahme nach Beginn einer Insulintherapie ist normal, da sich der Körper erstmal auf die richtige Insulinzufuhr einstellen muss. Das Ausmaß der Zunahme nach Beginn der Insulintherapie ist nicht exakt vorhersagbar. Erfahrungen zeigen, dass eine Gewichtszunahme von drei bis fünf Kilo normal und meist nicht zu vermeiden ist. Das liegt zum Teil daran, dass für jeden Patienten individuell die richtige Blutzuckereinstellung gefunden werden muss. Bevor sich das richtige Gleichgewicht eingestellt hat kann durch zu wenig gespritztes Insulin eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) die Folge sein. Dadurch können Heißhungerattacken entstehen, die wiederum zu einer ungesunden Aufnahme von Kalorien führen. Diabetologe Dr. Harald Fischer, Chefarzt der Klinik Rosenberg in Bad Driburg rät deshalb Patienten, die neu in eine Insulinbehandlung einsteigen auszuprobieren wie der Körper auf bestimmte Lebensmittel reagiert oder wie stark der Zucker absinkt, wenn die Aktivität erhöht wird. Abzuraten sei jedoch, vorsorglich gegen den niedrigen Zucker anzuessen. Mit der Zeit pendelt sich jedoch die richtige Blutzuckereinstellung ein, der Patient entwickelt ein Gespür für die richtige Menge an Insulin vor den Mahlzeiten und somit sollte bei an gepasster Ernährung eine weitere Gewichtszunahme nicht der Fall sein.
Auswirkungen auf das Gewicht
Ein weiterer Grund für eine Gewichtszunahme ist die Tatsache, dass der Körper Kohlenhydrate aus der Nahrung besser verwerten kann, wenn genügend Insulin vorhanden ist. Ihm stehen somit mehr Kalorien zur Verfügung, die er zur Energiegewinnung nutzen kann. So kann der Körper aus dem überschüssigen Zucker leichter Fettdepots aufbauen.
Darüber hinaus verändert sich kurz nach Beginn der Insulintherapie die Blutzuckerkonzentration, was ebenfalls als Grund für eine Zunahme gesehen wird. Ist die Blutzuckerkonzentration erhöht, wird überschüssiger Zucker von den Nieren über den Harn ausgeschieden, wodurch der Körper vermehrt Flüssigkeit verliert. Mit Beginn einer Insulinbehandlung sinken dann die Blutzuckerwerte, was andersherum zu einer normalen Harnproduktion führt. Der Körper enthält nun wieder den normalen Flüssigkeitsanteil und zeigt somit auf der Waage ein paar Kilos mehr an, die aber Wasser und kein Fett sind. Aber dennoch ändert sich auch das gewohnte Gleichgewicht von Energiezufuhr und -verbrauch. Der Zucker der vor der Insulinbehandlung durch die Nieren ausgeschwemmt wurde, steht jetzt dem Körper zusätzlich zur Verfügung. Wenn der Diabetiker also nicht seinen Energieverbrauch durch Bewegung oder Sport erhöht, wird er zwangsläufig zunehmen.
Autor: Kerstin Kirchner
Quelle:
Diabetes Ratgeber. Januar 2010
http://flexikon.doccheck.com/Insulin
http://www.formmed.de/abnehmen-vital-diaet-hintergruende-insulin.html
http://www.stern.de/diabetes/therapie/insulin-spritzen-gegen-diabetes-656234.html
http://www.55plus-magazin.net/php/typ_2_diabetes_ein_bisschen_alterszucker,17134,15426.html