Erstellt am: 19.07.2010
Letzte Änderung am: 19.07.2010
Langanhaltende hohe Blutzuckerwerte bei Diabetikern können Durchblutungs- und Nervenstörungen, insbesondere rund um den Fuß, zur Folge haben. Diese machen sich durch brennende, stechende Schmerzen, ein gestörtes Schmerzempfinden oder durch sichtbare Entzündungen oder Verfärbungen bemerkbar. Das gestörte Schmerzempfinden oder gar die völlige Taubheit können zur Folge haben, dass kleine Hautrisse oder bereits größere Wunden an den Füßen unbemerkt bleiben. Das wiederum kann gefährliche Konsequenzen haben, da Wunden, die nicht bemerkt wurden, natürlich nicht fachgerecht gesäubert oder behandelt werden. So können kleine Schrammen oder Blasen an der Fußsohle im schlimmsten Fall zu einer sehr schweren Entzündung ausarten, die zu einer wundbedingten Amputation führen kann.
Einer bereits seit langem bekannten Methode zur Wundbehandlung ist in den vergangenen Jahren wieder vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt worden: der sogenannten Madentherapie.
Die Fliegenmaden können dabei helfen infizierte Wunden zu reinigen und zu heilen. Die Tierchen säubern die entzündete Wunde von Krusten und fressen das abgestorbene Gewebe. Das gesunde Gewebe lassen sie dabei völlig unberührt. Die sogenannte Madentherapie wird häufig bei Behandlungen von offenen Wunden oder beim diabetischen Fußgeschwür eingesetzt.
Biologische Wundreinigung
Diabetespatienten leiden aufgrund ihres gestörten Stoffwechsels unter extrem trockener Haut und rissigen, trockenen Füßen. Infolge einer verminderten Immunabwehr sind chronische Wunden an den Füßen ein sehr verbreitetes Problem. Die natürliche Wundheilung verläuft bei Diabetikern jedoch sehr langsam oder bleibt ganz aus. Werden Wunden nicht rechtzeitig bemerkt, entzünden sich diese und das kranke oder abgestorbene Gewebe wird zu einem perfekten Nist- und Brutplatz für Bakterien und Pilze. Ist eine Infektion aufgetreten, muss als erster Schritt das infizierte und abgestorbene Gewebe entfernt werden. Die Schwierigkeit ist dabei den gesunden Wundgrund nicht zu verletzen.
An eben dieser Stelle erweisen sich die Maden als perfekte Wundreiniger, da sie entgegen einem Skalpell, ausschließlich totes Gewebe abtragen.
Sterile Maden im Einsatz
Die Wundreinigung durch die Maden erfolgt allein durch ihre Verdauungssäfte. Sie geben ihre Verdauungsenzyme in die Wunde ab und verflüssigen das abgestorbene Gewebe, welches sie anschließend in sich einsaugen.
Bei der Madentherapie kommen nur die Larven der Schmeißliege Lucilia sericata zum Einsatz, die zuvor in Speziallaboren unter keimfreien Bedingungen gezüchtet werden. Sie können als sogenannte „Freiläufer“ in einer Wunde ausgesetzt werden oder in einem speziellen Beutel aus Schaumstoff oder Gaze eingeschweißt werden, der dann auf die Wunde gelegt wird. Heutzutage werden freie Larven seltener erwendet, da sie oft wegen ihrer spitzen Mundhaken und scharfen Dornenkränze Hautreizungen erzeugen. Diesen kann durch den Beuteleinsatz vorgebeugt werden. Weitere Vorteile der Biobeutel sind die einfache Handhabung der Tiere und die Tatsache, dass die Wirkung der Maden auf die gewünschte jeweilige Auflagefläche des Beutels begrenzt werden kann.
Der Speichel der Tiere kann auch durch den Beutel ungehindert austreten und das abgestorbene Gewebe in der Wunde lösen. Dieses wird anschießend -ebenfalls problemlos- durch den Beutel von den Tieren aufgesaugt. Ist die Wunde gereinigt, können die Tiere unkompliziert entsorgt werden. Handelt es sich um eine größere Wundinfektion, die nach vier bis fünf Tagen noch nicht ausreichend gereinigt ist, werden die Tiere entfernt und durch neue Maden ersetzt.
Lange be- und verkannt: die Made
Die Geschichte der Made als Wundreiniger ist übrigens sehr alt. Bereits die australischen Aborigines wie auch die Maya-Indianer nutzten die Fliegenlarven zur Reinigung von Wunden. Im Zuge des ersten Weltkrieges haben dann auch europäische Ärzte entdeckt, dass Wunden von Soldaten, die voller Maden waren, sich in einem erstaunlich guten Zustand befanden. Nach der Entfernung der Maden fanden sie keinen eiternden Wundgrund auf, sondern gut durchblutetes, neues Gewebe. Im Laufe der medizinischen Entwicklung und mit der Erfindung des Antibiotikums geriet das Wissen um den Nutzen der Tiere jedoch für Jahre in Vergessenheit. Erst Anfang der 80er beschäftigte sich die medizinische Wissenschaft erneut mit dem Einsatz von Maden als Therapieform. Seit 1999 werden sie in Deutschland als offizielles Heilmittel anerkannt.
Ob im Bedarfsfall einer infektiösen Wunde die Madentherapie oder das herkömmliche chirurgische Verfahren eingesetzt wird, entscheidet letztendlich immer der Patient zusammen mit seinem Arzt.
Autor: Kerstin Kirchner
Quelle:
http://www.diabetes-ratgeber.net/Diabetisches-Fusssyndrom/Mit-Maden-und-Ultraschall-gegen-Fusswunden-A100328GRANR131206.html
http://www.diabetesgesellschaft.ch/de/djournal/archiv/diabetes_aktuell/madentherapie_zur_heilung_diabetischer_fussgeschwuere_19308/
http://www.diabetes-news.de/news/nachrichten/pm010316.htm