Erstellt am: 14.12.2009
Letzte Änderung am: 14.12.2009
Wenn die Jahreszeit zunehmend kälter und dunkler wird, trübt sich nicht selten auch die Stimmung. Wenn die schlechte Laune jedoch zum Dauerzustand wird, kann das ein Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung sein. Besondere Aufmerksamkeit gilt bei Zuckerkranken: Bei Für Depressionen haben Menschen mit einem Diabetes ein erhöhtes Risiko.
Schlechte Laune, Unlust und Verstimmtheit sind normale Stimmungen mit denen der Mensch auf lästige Hindernisse und unangenehme Situationen reagiert. Solche Launen können nur wenige Minuten oder auch mehrere Tage andauern. Im Herbst und im Winter treten sie gehäuft auf: Den Übergang von der warmen zur nass-kalten Jahreszeit erleben viele Menschen nämlich negativ, die zunehmende Dunkelheit sorgt für anhaltende Müdigkeit. Im Normalfall gewöhnt man sich nach einigen Tagen an die veränderten Klimabedingungen und die Stimmung hebt sich wieder. Bei manchen Menschen werden Müdigkeit, Unlust und Freudlosigkeit jedoch zum Dauerzustand.
Winterdepression und Diabetes
Unter „Winterdepression“ versteht man eine saisonal abhängige Depression, auch SAD genannt, die nur in der dunklen Jahreszeit auftritt und nicht von äußeren Umständen wie Weihnachtshektik, der beruflichen oder familiären Situation abhängt. Mit Beginn des Frühjahres, den steigenden Temperaturen und sonnigeren Tagen verschwindet die Depression wieder. Es wird angenommen, dass die wichtigste Ursache der winterliche Lichtmangel und die wetterbedingte Bewegungsfaulheit in der Natur sind. Damit sind auch die wichtigsten Behandlungsansätze genannt: Wer unter SAD leidet, sollte sich bei Licht möglichst viel körperlich im Freien bewegen. Wer arbeiten muss, sitzt während dieser Stunden jedoch häufig im vollklimatisierten Büro und kann nicht für eine Stunde in den Wald gehen. Deshalb bieten psychotherapeutische Kliniken so genannte „Lichttherapien“ an: Die Patienten setzen sich dabei in einem Meter Abstand für 20 bis 120 Minuten vor eine Tageslichtlampe, die sie mit 10.000 bis 2.500 Lux bestrahlt. Zum Vergleich: Bürobeleuchtung hat üblicherweise 800 Lux, ein sehr sonniger Tag kann eine Helligkeit bis zu 100.000 Lux erreichen. Die Patienten sollen dabei nicht direkt in die Lampe sehen, aber das Licht muss indirekt in die Netzhaut fallen. Durch die Helligkeit werden im Gehirn diejenigen Botenstoffe angeregt, die für die Ausschüttung der so genannten „Glückshormone“ zuständig sind. Einen vergleichbarer Effekt lässt sich jedoch auch mit einem Urlaub in der Südsee oder langen Sparziergängen bei Tageslicht erreichen.
Wann wird aus „schlechter Laune“ eine Depression?
Ob aus einer Phase mit schlechter Laune eine echte Depression entstehen kann, ist nicht bekannt. Die genauen Ursachen oder Auslöser einer depressiven Phase oder einer Depression sind bislang noch unklar und umstritten. Unter dem Begriff „Depression“ versteht man in der Medizin eine krankhafte, seelische Störung, deren wichtigste Symptome gedrückte Stimmung, Antriebsstörungen, Freud- und Interesselosigkeit sind. Eine Depression ist nicht zu verwechseln mit „Traurigkeit“ oder „unglücklich Sein“, sondern ein Zustand, indem alle Gefühle stark gedämpft und unklar empfunden werden. Dieser Zustand und die damit einhergehenden Empfindungen der Entwertung und Bedeutungslosigkeit der eigenen Person sind für einige Betroffene so leidvoll, dass sie ihr Leben beenden wollen. Im Schnitt sterben pro Jahr rund 12.000 Menschen durch eigene Hand. Es ist anzunehmen, dass viele davon an einer Depression leiden. Wer seine Situation frühzeitig einem Arzt schildert, hat jedoch meist sehr gute Aussichten auf Heilung. Manchen Schätzungen zufolge liegt der medizinische Behandlungserfolg bei depressiven Patienten bei über 80 Prozent.
Diabetes und Depression
Die Depression zählt zu den häufigsten Erkrankungen, die die menschliche Psyche betreffen. Unabhängig von der Selbstmordgefährdung ist es für Menschen mit Diabetes mellitus besonders wichtig, dass ihre Depression frühzeitig erkannt wird, weil die psychische Erkrankung zu einer schweren körperlichen Belastung werden kann. Insbesondere die Antriebslosigkeit und das Gefühl der Sinnlosigkeit aller Handlungen gefährden die Diabetestherapie: Wenn schon das morgendliche Ritual aus Aufstehen, Zähne putzen und Frühstücken als unüberwindliches Hindernis erscheint, kommen Blutzuckermessungen, Insulin spritzen oder Tabletteneinnahme meist zu kurz. Wer ohne Messungen und Berechnungen Insulin spritzt, riskiert Unterzuckerungen. Diese Problematik wird dadurch verstärkt, dass die Wahrnehmung von Unterzucker (Hypoglykämie) durch die dumpfe Gefühllosigkeit kaum oder nur unzureichend wahr genommen werden kann. Stark schwankende oder ständig überhöhte Blutzuckerwerte bei sonst sehr ausgeglichenen Patienten können ein wichtiges Symptom für eine psychische Erkrankung sein. Der Diabetes mellitus selbst wird von den depressiven Patienten sehr unterschiedlich erfahren: Manche ignorieren ihre Krankheit einfach, bei anderen Kreisen die Gedanken ständig um Blutzuckerwerte und mögliche Folgeerkrankungen. Statt mögliche Probleme oder Therapiefehler aktiv zu überdenken und Lösungen zu finden, verfallen depressive Diabetiker jedoch in eine gedankliche Endlosschleife, die von Ohnmacht und Versagensängsten begleitet wird. Wer bei sich selbst oder bei einem Angehörigen eine depressive Erkrankung vermutet, sollte unbedingt seinen Hausarzt oder Diabetologen darauf ansprechen und um eine Überweisung an einen Facharzt bitten.