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Wundermittel

Rohe Nacktschnecken und ein Schnaps am Morgen gegen Diabetes?

Nacktschnecke Alle paar Wochen tauchen sie aus der Versenkung auf und werden in den Medien bejubelt - die sogenannten "Wundermittel". Manche Sachen sind nahezu lächerlich.

All die Pülverchen, Pillen, Salben oder Tees, die uns zum Beispiel innerhalb einer Woche ohne jeglichen Verzicht auf Süßes oder Fettes eine tolle Bikinifigur versprechen. Auch Diabetiker sind vor solchen angeblichen Wundermitteln nicht gefeit: So erhielt eine Typ-2-Diabetikerin von ihrem Arzt den Ratschlag, einige Kilos abzunehmen, damit das noch vorhandene Insulin wieder richtig wirken kann. Eine Freundin dagegen empfahl einen Tee, der den Zucker angeblich auch ohne Diät sinken lassen soll. Gesagt, getan: In großen Mengen trank die Patientin den Tee, der auch bald Wirkung zeigte. Beim nächsten Arzttermin waren nur noch ein statt zwei Prozent Zucker in ihrem Urin. Was beide aber nicht wußten: Durch das viele Trinken muss der Körper auch entsprechend mehr Flüssigkeit ausscheiden. Deshalb war der Zucker nicht weniger geworden, nur war die Zuckerkonzentration im Urin stärker verdünnt. An der Diabeteseinstellung hatte das Teetrinken nichts verändert - die Blutzuckerwerte waren nach wie vor zu hoch. Tees sind lediglich als kalorien-/kohlenhydratfreie Durstlöscher geeignet.

Die Liste weiterer Mittelchen ist lang und wahllos: Ob Zwiebeln oder Blumenkohl, ob Knoblauch oder roh (!) gegessene Nacktschnecken - das alles und noch viel mehr wird als Diabeteshelfer gehandelt. Weit verbreitet ist auch der bei manchen Diabetikern beliebte Trinkspruch "Der Klare am Morgen erspart Kummer und Sorgen". Vor allem vor dem Arztbesuch und dem Blutzuckertest nimmt sich manch einer einen Schnaps zur Brust, um einen besseren Blutzuckerwert zu erzielen. Zumindest eines daran stimmt: Alkohol senkt wirklich den Blutzucker. In der Diabetestherapie hat er dennoch nichts verloren, da er zu viele Kalorien hat und dadurch Übergewicht fördert. Zudem ist er Gift für Leber und Nerven und verschlimmert eine Neuropathie (Nervenkrankheit). Alkohol erhöht das Risiko von Unterzuckerungen und wirkt sich negativ auf den Blutdruck aus - von Abhängigkeit gar nicht zu sprechen.

Nicht nachweisbar sind auch blutzuckersenkende Wirkungen durch erhöhte Einnahme von Knoblauch, Zwiebeln, Jerusalem-Artischocke, Ginseng, Aloe Vera, Kakaosamen und Quecke (Graspflanze). Bewiesen ist dagegen der günstige Effekt von vernünftiger Ernährung. Gesunde Kost mit vielen Ballaststoffen regt nicht nur die Verdauung an, sondern wirkt auch auf den Blutzucker, da die Ballaststoffe dafür sorgen, dass die gleichzeitig gegessenen Kohlenhydrate langsamer ins Blut übergehen. Alle Formen von Gemüse, Salate, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und frisches Obst sind ein Muss bei einer diabetesgerechten Ernährung. Die darin enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind für die notwendigen Stoffwechselvorgänge in unserem Körper notwendig. Zu den Appetitverderbern zählen Eierschalen, Zwiebel- oder Sauerkrautsaft - und ganz sicher die rohen Waldschnecken. Mit Sicherheit hat man anschließend den Appetit für Stunden verloren, was sich positiv auf den Blutzucker auswirkt. Eine Diät eher für die "Mutigen"... Kalorienfreie oder kalorienarme Nahrungsmittel können den Hunger stillen und somit eine weitere Kohlenhydratzufuhr verringern, sie senken aber nicht aktiv den Blutzucker. Zu diesen Nahrungsmitteln gehören zum Beispiel Blumenkohl, grüner Salat, Gurken, Champignons, Tomaten, Spargel, Sauerkraut, Rettich, Radieschen und auch Mineralwasser. Wirken sie auch durchaus bei anderen Erkrankungen, haben Substanzen wie Teufelskralle, Hefe und Blütenpollen keine blutzuckersenkende Wirkung. Auch Akupunktur bewirkt bei Diabetes nichts. Fazit: Wirklich helfen kann nur eine Ernährungsumstellung - die man erlernen kann! Und wenn man erst einmal auf den Geschmack einer Diät gekommen ist, weiß man auch, dass eine Diät durchaus nicht nur Verzicht bedeutet. Sich gesund zu ernähren bedeutet, auf Körper und Seele Rücksicht zu nehmen.

Autor: Redaktion

Quelle: Diabetiker Ratgeber, November 2001, S. 12-20

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