Erstellt am: 21.02.2003
Letzte Änderung am: 21.02.2003
Seit 1989 wird am Institut für Diabetesforschung in München die Untersuchung "BABYDIAB-Studie" zur Entstehung des Typ 1-Diabetes bei Kindern durchgeführt, deren Mütter oder Väter ebenfalls Typ 1-Diabetiker sind.Insgesamt wurden hier mehr als 2.000 Kinder von Geburt an untersucht.
Den Kindern wurde regelmäßig Blut abgenommen und die Eltern haben Fragebögen ausgefüllt, die Auskunft über Ernährung, Impfungen und Erkrankungen des Kindes geben. So konnten wichtige Erkenntnisse über die Frühphase der autoimmunen Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, über mögliche Einflussfaktoren auf das Immungeschehen und die Vorhersagbarkeit des Typ 1-Diabetes gewonnen werden. Dies wiederum bietet die Möglichkeit, Kinder mit hohem Diabetes-Risiko zu erkennen und zu versuchen, die Entstehung des Autoimmunprozesses zu verhindern.
Mit welchem Test sich Diabetes vorhersagen lässt Das durchschnittliche Diabetesrisiko für Kinder von Eltern mit Typ 1-Diabetes liegt bei etwa sechs Prozent. Das bedeutet, etwa sechs von 100 Kindern von Müttern oder Vätern mit Typ 1-Diabetes entwickeln ebenfalls einen Typ 1-Diabetes. Da es sich beim Typ 1-Diabetes um eine Autoimmunerkrankung handelt, werden im Blut der Betroffenen sogenannte Insel-Autoantikörper nachgewiesen. Die Insel-Antikörper sind gegen verschiedene Zellbestandteile der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse gerichtet. So gibt es Antikörper gegen Insulin, IAA genannt, gegen die Glutamatdecarboxylase, sogenannte GAD-Antikörper, und gegen die Tyrosinphosphatase IA-2, IA-2-Antikörper. Es ist bekannt, dass Antikörper nicht nur bei Ausbruch des Typ 1-Diabetes, sondern bereits viele Jahre vorher nachzuweisen sind. Dadurch ist es möglich, den Diabetes früh zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln.
Die BABYDIAB-Studie führte zu folgenden neuen Ergebnissen:
Die Mehrheit der teilnehmenden Familien konnte erleichtert sein, da das Blut ihres Kindes keine Antiköper aufwies und somit das Risiko, in den nächsten Jahren Diabetes zu entwickeln, sehr gering ist. Die Eltern hingegen, die nun durch die Untersuchung wissen, dass ihr Kind Antikörper hat und mit hoher Wahrscheinlichkeit Diabetes entwickeln wird, können sich frühzeitig auf die Erkrankung einstellen und durch regelmäßige Kontrollen den Ausbruch von Diabetes bei ihrem Kind erkennen.
Die BABYDIÄT-Studie
Anknüpfend an die BABYDIAB-Studie wird jetzt am Institut für Diabetesforschung in München eine neue Untersuchung mit dem Namen BABYDIÄT durchgeführt. Ziel ist, bei Kindern mit hohem Diabetes-Risiko die frühe Entstehung von Antikörpern und die Entwicklung des Typ 1-Diabetes durch eine veränderte Ernährung zu verhindern beziehungsweise den Ausbruch zu verzögern.
Die Erkenntnisse aus der BABYDIAB-Studie lassen vermuten, dass unter anderem die Einwirkung von Umweltfaktoren wie zum Beispiel Ernährung oder Virusinfektionen während der ersten beiden Lebensjahre für den Defekt des Immunsystems und die Entstehung des Typ 1-Diabetes mitverantwortlich sind.
Da die Erkrankung Zöliakie (Unverträglichkeit gegenüber Gluten), sowohl bei Typ 1- Diabetikern als auch bei deren Kleinkindern gehäuft auftritt, wird diskutiert, dass die Entstehung beider Erkrankungen von ähnlichen Faktoren beeinflusst wird. Bekannt ist, dass die Zöliakie unter anderem durch das in Getreide enthaltene Gliadin, ein Bestandteil des Glutens, ausgelöst wird. Im Tiermodell konnte auch durch eine glutenfreie Ernährung der Ausbruch des Diabetes verhindert beziehungsweise verzö-gert werden.
In der BABYDIÄT-Studie wird untersucht, ob durch die Vermeidung von glutenhaltigem Getreide und daraus hergestellten Produkten innerhalb des ersten Lebensjahres der Ausbruch des Diabetes verzögert oder sogar verhindert werden kann. Die veränderte Ernährung soll bei Kindern mit extrem hohem Antikörper- beziehungsweise Diabetes-Risiko durchgeführt werden: Bei Kindern mit den Vererbungsmerkmalen DR 3/4 oder DR 4/4 und deren Mutter, Vater oder Geschwister an Typ 1-Diabetes erkrankt sind. Die Kinder werden dabei von Geburt an bis zum dritten Lebensjahr engmaschig untersucht. Dadurch sollen die Entwicklung der Autoimmunität der Kleinkinder gut überwacht und Veränderungen im Immunsystem frühzeitig erkannt werden.
Gleichzeitig werden auch Kinder mit den Risiko-Merkmalen für Zöliakie - nämlich DR 3/3 - beobachtet, um zudem den Einfluss der veränderten Ernährung auf die Entwicklung der Zöliakie zu untersuchen.
Informationen zur BABYDIÄT-Studie
Wenn Sie an einer Teilnahme an der BABYDIÄT-Studie interessiert sind oder zusätzliche Informationen erhalten möchten, fordern Sie bitte bei folgender Adresse Informationsmaterial und einen Fragebogen für die erste Untersuchung an.
Kontakt
Dipl. oec. troph. Sandra Schmid/
Prof. Dr. Anette-G. Ziegler
Institut für Diabetesforschung
Kölner Platz 1
80804 München
Telefon: (089) 3079-3114
Telefax: (089) 3081733
E-mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de
Autor: Redaktion
Quelle: Zucker-Magazin 01/03