Erstellt am: 19.04.2004
Letzte Änderung am: 22.04.2004
Diabetespatienten mit einer Polyneuropathie können auf baldige Schmerzlinderung hoffen. Laut den Ergebnissen einer Pilotstudie kann das Opioid Fentanyl auch bei Patienten mit diabetischer Polyneuropathie die Schmerzen erheblich lindern.
Starke Opioide in der Schmerztherapie
Starke Opioide sind mittlerweile bei der Therapierung von chronischen Schmerzen fest in den sogenannten Behandlungsstufenplan der Weltgesundheitsorganisation (WHO) integriert. Dieser sieht auf der ersten Stufe eine Behandlung mit leichten Schmerzmitteln wie Metamizol oder Diclofenac vor. Tritt keine Schmerzlinderung ein, folgt die zweite Stufe mit schwach wirksamen Opioiden wie Tilidin oder Tramadol. Erst wenn sich auch bei der 2. Stufe keine deutliche Verbesserung zeigt, verordnen Ärzte starke Opioide, zu denen eben auch das genannte Fentanyl gehört.
Polyneuropathie bei Diabetikern häufig
Eine Therapie mit stark wirksamen Opioiden wäre nach Ansicht vieler Mediziner auch bei einer diabetischen Polyneuropathie äußerst relevant und wünschenswert, denn diese Erkrankung tritt unglaublich häufig auf und kann sehr schmerzhaft verlaufen.
An diabetischer Polyneuropathie leiden bereits bei Diabetesdiagnose acht Prozent der Patienten. Nach zehn Jahren sind es 30, nach 25 Jahren mindestens 50 Prozent. Mindestens jeder dritte hat dabei starke Schmerzen. Eine frühzeitige und intensive Schmerztherapie ist hier laut Experten besonders wichtig, um eine Chronifizierung zu verhindern
Pilotstudie mit starken Opioiden
"Es lohnt sich, starke Opioide einzusetzen", sagte Dr. Wolfgang Sohn, Schmerztherapeut und Psychotherapeut bei einem Symposium von Janssen-Cilag.
Dies bestätigt die gerade abgeschlossene Pilotphase einer Untersuchung, an der 79 Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes und diabetischer Polyneuropathie teilgenommen haben. Die Patienten hatten ein durchschnittliches Alter von 66 Jahren und waren - altersentsprechend - mit einem HbA1c von 7,4 normnah eingestellt. Im Mittel hatten die Teilnehmer seit etwa vier Jahren Schmerzen. Erfahrungen mit Opioidtherapien hatte keine der Testpersonen.
In der Studie wurden sie drei Monate lang mit einem Fentanyl- Schmerzpflaster behandelt. Das Pflaster gibt das Opiad Fentanyl über drei Tage hinweg langsam und gleichmäßig in die Haut ab.
Positive Ergebnisse beim Einsatz von Fentanyl
Die Ergebnisse der Pilotstudie betrachten die Forscher als positiv. Schon ab dem 15. Therapietag waren mit Fentanyl die Schmerzen signifikant geringer und nahmen in den Folgemonaten weiter ab. Reizsymptome wie Jucken, Brennen und Kribbelparästhesien, welche die Lebensqualität ähnlich beeinträchtigen wie Schmerzen, verringerten sich ebenfalls deutlich.
Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass die Therapie mit Opioiden "stärker ins Auge gefasst werden muss", so Sohn.
Fentanyl-Pflaster haben die geringsten Nebenwirkungen
Die Verwendung von Fentanyl-Pflastern sticht als Behandlungsalternative bei diabetischer Polyneuropathie besonders hervor, da Fentanyl unter den starken Opioiden die geringsten Nebenwirkungen hervorruft. Zwar kann auch Fentanyl, wie alle anderen starken Opioide Verstopfung verursachen, dies tritt jedoch in weitaus weniger Fällen ein, als bei anderen Wirkstoffen. Hinzu kommt, dass weiter Nebenerscheinungen wie Übel- oder Müdigkeit schwächer auftreten und weitaus schneller abklingen.
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