Erstellt am: 11.10.2004
Letzte Änderung am: 15.10.2004
Diabetes mellitus zählt nach wie vor zu den unheilbaren Krankheiten. Zwar hat die Forschung der letzten Jahrzehnte enorme Erfolge in den Behandlungsmöglichkeiten erzielt und somit auch die Lebensqualität von Diabetikern wesentlich verbessert; ein Leben ganz ohne Medikamente bzw. Therapie ist bisher jedoch noch nicht möglich.Doch die Wissenschaftler geben nicht auf und haben gerade in den letzten Jahren einige große Fortschritte gemacht. Neben der Transplantation von Inselzellen, der Entwicklung einer hybriden Bauchspeicheldrüse und einer Impfung gegen Diabetes arbeiten sie auch an verschiedenen Messemethoden, die ohne Blutentnahme zuverlässige Blutzuckerwerte liefern sollen.
Transplantation
Der Traum, eine gesunde Bauchspeicheldrüse eingepflanzt zu bekommen und anschließend ein Leben ohne Insulin und Diät zu führen, bleibt für die meisten Diabetiker nur eine Wunschvorstellung. Zum einen fehlt es an Spenderorganen und zum anderen sind Abwehrreaktionen des Körpers auf die Transplantate sehr häufig.
In einem neuen Verfahren wurden nun gesunde Inselzellen transplantiert. Dabei injizierten kanadische Forscher im Rahmen einer Studie die aus einer gesunden Pankreas gewonnenen Zellen per Katheder in die Leber von Diabetikern. Bei manchen der Teilnehmer waren mehrere dieser Behandlungen nötig, bis sich eine Wirkung zeigte. Das Ergebnis war überraschend positiv. Mittlerweile testeten zahlreiche Kliniken und Forschungsinstitute dieses Verfahren an weltweit über 400 Freiwilligen. Etwa 80 Prozent der so behandelten Diabetiker brauchten auch ein Jahr nach der Behandlung kein Insulin mehr. Die Stoffwechsellage blieb stabil. Doch betrachtet man die Ergebnisse über einen längeren Zeitraum, lässt die Euphorie schnell nach: Fünf Jahre nach der ersten Transplantation müssen bereits mehr als drei Viertel aller Patienten wieder medikamentös bzw. mit Insulin behandelt werden.
Und auch die Nebenwirkung dieser Prozedur sind enorm. Mit einem Medikamentencocktail wird das Immunsystem stark unterdrückt. Anderenfalls würde der Körper die fremden Zellen abstoßen. Die Folgen der verabreichten Mittel sind noch nicht abzusehen. Das Risiko von Infekten ist erkennbar und einige Forscher vermuten wird vermutet, dass die Gefahr, an Krebs zu erkranken, durch die Wirkstoffkombination steigt.
Hybride Bauchspeicheldrüse
Es muss nicht immer eine komplette Transplantation sein. Da Spenderorgane nur in sehr begrenzten Mengen zur Verfügung stehen, suchten Forscher auch nach anderen Möglichkeiten, Diabetikern zu helfen. Eine bioartifizielle Bauchspeicheldrüse könnte hier die Lösung sein. Dieses "künstliche Organ" soll mikroverkapselte Inselzellen enthalten und fast wie ein gesundes Organ Insulin produzieren. Die geeigneten Materialien und Funktionsweisen sind schon gefunden. Nun stehen erste Tierversuche mit Schweinen an. Sollten diese sich als erfolgreich herausstellen und das bisher etwa 50 cm lange Gerät könnte verkleinert werden, steht in wenigen Jahren ersten Tests am Menschen nichts mehr im Wege.
Impfung
Besser, als Diabetes zu behandeln ist es natürlich, Diabetes zu verhindern. Wissenschaftler stellten nun fest, dass ein drohender oder beginnender Diabetes sich dadurch äußert, dass das Immunsystem auf Pankreas-Antigene reagiert. Besitzt zum Beispiel ein Verwandter eines Diabetikers bereits Antikörper gegen drei dieser Antigene, besteht eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass derjenige selbst innerhalb von drei Jahren an Diabetes erkranken wird.
Eine Hypersensibilisierung, die einer Impfung gleich käme, könnte diesen Prozess aufhalten. An Mäusen wurde dieses Verfahren bereits erfolgreich getestet. Zur Zeit läuft eine Studie an insgesamt 48 Diabetikern. Erste Ergebnisse scheinen Erfolg zu versprechen - doch noch laufen die Untersuchungen.
Innovative Messmethoden
Neben allen Versuchen, Diabetes zu heilen, gibt es jedoch auch Bemühungen, den Erkrankten den Alltag möglichst einfach zu gestalten. Neuartige Insuline und Medikamente haben die Lebensqualität stark verbessert. Doch immer noch müssen Betroffene zum Teil mehrmals täglich ihre Blutzuckerwerte bestimmen. Dazu ist ein Stich in den Finger nötig, um die erforderliche Menge Blut zu erhalten. Zwar hat sich auch auf diesem Gebiet einiges getan, damit die Messung schnell und nahezu schmerzfrei geschieht, doch ganz ohne Blut geht es noch nicht.
Besonders intensiv wird zur Zeit an drei neuen Verfahren geforscht: Eines soll in der Endversion aussehen wie eine Armbanduhr und durch leichte Stromstöße den Blutzucker bestimmen. Am Menschen wird es schon längere Zeit getestet, doch zur Zeit muss man zusätzlich noch einmal am Tag auf herkömmliche Art und Weise seinen Blutzucker bestimmen und die "Uhr" somit stellen. Zudem unterliegen die daraus resultierenden Werte noch ziemlich hohen Schwankungen.
Zwei weitere Methoden eignen sich weniger zur Bestimmung des Zuckergehaltes im Blut, sondern vielmehr dafür, Patienten vor einer drohenden Unterzuckerung zu warnen. Eine Möglichkeit besteht darin, Kontaktlinsen zu tragen, die bei gefährlich niedrigen Werten anfängt, die Farbe zu verändern. Forscher haben bereits eine Art Gel entwickelt, das auf Veränderungen in der Tränenflüssigkeit reagieren kann. Doch bisher ist es noch nicht möglich, dieses Material in eine komfortable Linse einzubetten.
Die andere Version wäre eine Tätowierung. An einer Stelle, die nicht ständig einer direkten UV-Strahlung ausgesetzt ist, könnte ein kleines Motiv unter die Haut gestochen werden, das den "Träger" ebenfalls bei sehr niedrigen Werten warnt. Dafür werden spezielle Farbkügelchen unter die Haut gespritzt - tiefer als bei einem herkömmlichen Tattoo. Sobald der Blutzucker drastisch fällt, fängt das Bild an zu leuchten. Der Diabetiker kann entsprechend darauf reagieren. An Mäusen wurde diese Methode erfolgreich getestet. Bis der Mensch jedoch dran kommt, wird es wohl noch eine Weile dauern.
Die Ergebnisse aus der Wissenschaft sind viel versprechend. Bis der Diabetiker aber davon profitieren kann, werden jedoch noch einige Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte vergehen. Trotzdem kann man auf eine immer bessere Behandlung hoffen.
Weitere Informationen:
Hybride Bauchspeicheldrüse
Pieksen ade
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