Erstellt am: 17.05.2010
Letzte Änderung am: 17.05.2010
Die ACCORD-Studie, eine große Typ-2-Diabetes Studie aus den USA, hat in den letzten Jahren bereits viel Aufsehen erregt. Beginn der Studie war 2001, das Ende war für 2010 geplant. Der erste Forschungsbereich der dreiteiligen Studie wurde aber bereits im Jahr 2007 aufgrund einer hohen Rate an Todesfällen gestoppt. Ergebnisse des zweiten und dritten Teils liegen inzwischen vor. Bei all dem Aufsehen, für das die Studie gesorgt hat, bleibt ein interessantes Ergebnis, dass der Arzneistoff Fenofibrat Patienten mit einer Fettstoffwechselstörung verschiedene Vorteile bietet.
Der erste Teil der Studie, der sogenannte Glykämiekontrollteil, untersuchte von 10.251 Hochrisiko-Patienten mit Typ-2-Diabetes den Wert einer intensiven langfristigen Blutzuckersenkung. Es sollte festgestellt werden, ob Patienten mit einem HbA1c unter 6 % kardiovaskulär (das Herz und das Gefäßsystem betreffend) mehr profitieren, als Patienten mit Werten zwischen 7,0 und 7,9 %. Die Probanden erhielten entweder eine intensivierte oder eine konventionelle blutzuckersenkende Therapie. Diese Studie wurde jedoch vorzeitig im Februar 2008 beendet, da die Sterberate in der Gruppe mit der intensivierten Therapie erhöht war.
Der zweite Teil beschäftigte sich mit der Frage, ob Patienten mit systolischen Blutdruck (wird Erzeugt durch die Auswurfkraft des Herzens) unter 120mm/ Hg kardiovaskulär mehr profitieren als Patienten mit einem Wert von unter 140mm/ Hg. Auch hier hat sich gezeigt, dass eine extreme Behandlung eher schädlich ist.
Der dritte Teil ist der sogenannte Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes (ACCORD) Lipid Trial. Hier wurden gut eingestellte Typ-2-Diabetiker mit einem hohen Risiko für das Herz- und Gefäßsystem untersucht. Es sollte nachgeprüft werden, ob Diabetiker mit hohem kardiovaskulären Risiko von der Kombination der beiden Lipidsenker (Fettsenker) Statin und Fibrat mehr profitieren, als von einer Statin-Monotherapie. Das Ergebnis zeigte, dass das kardiovaskuläre Risiko bei Typ-2-Diabetikern, bei einer atherogenen Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung) mit erhöhten Triglyceriden (Blutfetten) und niedrigen HDL-Cholesterin-Werten, um zusätzliche 31 Prozent reduziert werden konnte. Dies kann durch die Kombination von den Arzneistoffen Simvastatin und Fenofibrat erreicht werden.
5.518 Teilnehmer an der ACCORD-Lipidstudie
Im Rahmen der Lipidstudie wurden 5.518 Patienten mit einer kardiovaskulären Erkrankung oder mindestens zwei kardiovaskulären Risikofaktoren aus 77 Zentren in den USA und Kanada aufgenommen. An der Studie konnten Patienten teilnehmen, die seit mindestens drei Monaten an einem Diabetes Typ-2 erkrankt waren und dazu ein HbA1c von 7,5 bis 11 % aufwiesen. Die Patienten bekamen in einem Randomisierungsverfahren (das bedeutet: weder die behandelnden Ärzte noch die Patienten wissen, welche Medikamente der Patient erhält)
entweder die genannte Arzneikombination oder nur das Statin mit einem Placebo kombiniert. Alle Teilnehmer erhielten je nach Zufallsprinzip zwischen 20 und 40 mg Simvastatin und 54 bis 160 mg/d Fenofibrat bzw. einen Placebo. Die Studie beschäftigt sich mit der Häufigkeit des Auftretens von nicht tödlichen Herzinfarkten oder nicht tödlichen Schlaganfällen.
Nutzen der Statin-Fibrat-Kombination
Die medizinische Zeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlichte online, dass die Patientengruppe mit atherogener Dyslipidämie 70 Prozent mehr kardiovaskuläre Ereignisse (kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkte und Schlaganfälle) hatte, als Patienten ohne diese Ereignisse. Das mit atherogener Dyslipidämie in Zusammenhang stehende Risiko war mit dem vergleichbar, das Patienten mit bevorstehender kardiovaskulären Krankheit aufwiesen.
Die Ergebnisse der ACCORD-Lipidstudie, nach einem 5-jährigen Beobachtungszeitraum zeigten, dass die Kombination eines Statins mit einem Fibrat ungefährlich, aber nicht grundsätzlich der Statin-Monotherapie überlegen ist. Die Studie betätigte, dass das Hinzufügen von Fenofibrat zu Simvastatin nicht zu einem erhöhten Risiko von Myopathie (Muskelprobleme), venösen Thrombosen oder Pankreatitis führte. Sie zeigte sogar, dass es bei den mit Fenofibrat behandelten Patienten weniger Todesfälle mit kardiovaskulärer oder einer anderen Ursache gab, als bei den Patienten, die nur mit Simvastatin behandelt wurden.
Dazu ergab die Studie auch, dass Fenofibrat die Mikro- und Makro-Albuminurie reduziert, die Merkmale der diabetischen Nierenkrankheit sind. Michel Hermans, Professor der Cliniques Universitaires Saint-Luc, Brüssel, Belgien und Generalsekretär von Residual Risk Reduction Initiative (R3i) merkt die Wichtigkeit der Entdeckung an: „Die diabetische Nephropathie ist ein großes Behandlungsproblem. Daher ist es wichtig zu wissen, dass Fenofibrat diesen Patienten Vorteile bietet“.
Professor Jean-Charles-Fruchart, Präsident der R3i verwies darauf, dass sich R3i in den letzten zwei Jahren auf die Hypothese konzentrierte, dass das kardiovaskuläre Restrisiko bei Statin behandelten Patienten im Zusammenhang mit der atherogenen Dyslipidämie steht. Mit der ACCORD-Lipidstudie konnte diese Hypothese bestätigt werden sowie der Nutzen Fenofibrat zu einem Statin hinzuzugeben, um das hohe kardiovaskuläre Restrisiko zu reduzieren.
Neue Hoffnung für Patienten mit Typ-2-Diabetes und atherogener Dyslipidämie
Da der Anteil der Patienten mit atherogenischer Dyslipidämie bei dieser Studie nur bei 17 Prozent lag, ist den Experten das Ergebnis nicht aussagekräftig genug. In einer weiteren epidemiologischen Studie, der REsiduAl risk Lipids and Standard Therapies (REALIST)-Studie soll ein größerer Anteil untersucht werden. „Diese von R3i gesponsorte Studie wird an der Harvard Medical School und an über 20 gut bekannten akademischen Zentren auf der ganzen Welt durchgeführt“, so Frank Sacks, Professor an der Harvard Medical School, Boston, USA und Vizepräsident von R3i. Die Studie soll die Prävalenz der atherogenischen Dyslipidämie und damit das Restrisiko für kardiovaskuläre Ereignisse nachweisen.
Zukünftiger Einsatz der Fibrate
Professor Dr. Henry N. Ginsberg zog das Fazit, dass „Alles in allem gilt: Die Ergebnisse der ACCORD-Lipid-Studie unterstützen nicht die Kombination von Fenofibrat und Simvastatin gegenüber einer Statin-Monotherapie, um das kardiovaskuläre Risiko von Hochrisikopatienten mit Typ-2-Diabetes zu reduzieren.“ Professor Dr. Frank Ruschitzka der UniversitätsSpital Zürich erklärte gegenüber Medical Tribune, dass er künftig noch einen Einsatz für die Fibrate bei Patienten, die Statine nicht vertragen und bei bestimmten Dyslipidämien sehe.
Autor: Kerstin Kirchner
Quelle:
http://multivu.prnewswire.com/mnr/r3i/42622/docs/42622-Validated_R3i_Press_Release_German.pdf
http://www.medical-tribune.ch/deutsch/Aktuelles/2010/statin_fibrat.php
http://tkron.wordpress.com/2010/03/14/accord-studie-aggressive-blutdrucksenkung-bringt-diabetikern-nichts/
http://www.savoir-diabete.eu/de/diabetes-guidebook/T2DM.php