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Wirkstoff Flibanserin

Antidepressivum als luststeigerndes Mittel eingesetzt

©Rainer Sturm/ Pixelio Der Wirkstoff Flibanserin ist vor einiger Zeit als Mittel gegen Depressionen gefloppt. Nun will die Herstellerfirma Boehringer-Ingelheim jedoch festgestellt haben, dass das Mittel sexuelles Lustempfinden bei Frauen steigert. Die Frage, die sich hier stellt: Ist Flibanserin jetzt das neue Viagra für die Frau?

Ursprünglich hatte das Pharmaunternehmen mit dem Wirkstoff ein Medikament gegen Depressionen entwickelt. Herkömmliche Antidepressiva wirken erst innerhalb einiger Wochen bei kontinuierlicher Einnahme und können den akuten Leidensdruck der Betroffenen also erst einmal nicht kompensieren. In den späten 1990er Jahren wollte Boehringer-Ingelheim deshalb ein neues Antidepressivum entwickeln, dass schneller wirkt. In Tierversuchen mit Ratten wirkte Flibanserin zunächst vielversprechend. Die Studien mit erwachsenen Menschen zeigten jedoch schnell, dass das Medikament keine nennenswerte, antidepressive Wirkung erzeugte.

Auswirkungen auf die weibliche Libido

Im Gegensatz zu wirksamen Medikamenten gegen Depressionen beschwerten sich die weiblichen Studienteilnehmerinnen jedoch nicht über ein Nachlassen ihrer Libido. Im Gegenteil: An einer Studie zu Flibanserin hatten in Nordamerika rund 1.400 Frauen teilgenommen, die aufgrund ihres Alters keine Monatsblutungen mehr hatten. Der einen Hälfte wurden Placebos verabreicht und die andere wurde mit Flibanserin behandelt. Vor Studienbeginn hatten die Frauen angegeben, dass sie durchschnittlich 2,8 befriedigende Sexualkontakte pro Monat hätten. Mit der Einnahme des Präparates Flibanserin erhöhten sich diese Sexualkontakte auf  4,5. Wer nur das Scheinmedikament erhielt, hatte im Durchschnitt nur 3,7 Mal befriedigenden Sex im Monat. Auf den ersten Blick wirken die Zahlen zwar nicht gewaltig, doch als statistische Größe ist der Unterschied durchaus signifikant. Auch in ihren elektronischen Tagebüchern hatten die Flibanserin-Konsummentinnen angegeben, häufiger an sexuellen Kontakten interessiert zu sein als vor der Einnahme des Medikamentes.

Flibanserin für lustlose Diabetikerinnen?

Ob und wann Flibanserin als Arzneimittel gegen sexuelle Unlust zugelassen wird, ist bislang noch unklar. Ein Gerücht besagt, dass das Präparat schon in anderthalb Jahren auf Rezept zu haben sein könnte. Eine Sprecherin des Pharmakonzerns wollte zu dieser Frage keine Stellung beziehen. Falls das Präparat in den nächsten Jahren zur Marktreife gelangt, könnte auch der Markt der Diabetesmedikamente davon überschwemmt werden. Denn nicht nur männliche Diabetiker können unter Erektionsproblemen leiden, auch Frauen können von sexuellen Störungen betroffen sein. Allerdings ist umstritten, ob sexuelle Unlust der Frau wirklich als körperliche Krankheit zu betrachten ist oder eher psychologische Ursachen hat, die mit Medikamenten nicht behandelt werden können. Einer Studie zufolge sind zumindest Diabetikerinnen mit einer schlechten Blutzuckereinstellung durchaus von körperlichen Problemen betroffen, die ihre Sexualität unfreiwillig einschränken können. Frauen, die häufig einen zu hohen Blutzucker haben, produzieren beispielsweise deutlich weniger Scheidensekret. Das kann die empfindliche Schleimhaut der Vagina so stark austrocknen, dass vaginaler Geschlechtsverkehr unangenehm bis schmerzhaft wird. Diesem Problem kann man jedoch auch mit vaginaler Gleitcreme aus der Drogerie oder Apotheke Abhilfe schaffen. Eine andere, körperliche Ursache kann die diabetische Neuropathie sein. Dabei handelt es sich um ein Nervenleiden, das im Zusammenhang mit hohem Blutzucker entsteht und langfristig auch die empfindlichen Nervenenden um die Vagina herum angreift. Ob ein Libido-steigerndes Medikament wie Flibanserin hier Abhilfe schaffen könnte, ist noch nicht erforscht.

Flibanserin als Partydroge?

Ähnlich wie bei der Einführung von Viagra, gibt es nun die Sorge, dass gesunde Menschen die Potenzmittelchen als „Partydroge“ missbrauchen könnten. Man muss jedoch die Wirkungsweisen von Viagra und Flibanserin klar unterscheiden: Viagra ist ein Medikament, das einige Stunden nach der ersten Einnahme die Durchblutung fördert und Männern dadurch ein Erektion ermöglicht. Flibanserin wirkt jedoch laut Studienergebnis bei Männern gar nicht. Bei Frauen hingegen soll es die Libido anregen. Um überhaupt eine Wirkung zu erzielen, muss Flibanserin jedoch über einen Zeitraum von mehreren Wochen jeden Tag eingenommen werden. Die Angst, Flibanserin könne als Partydroge heimlich in Cocktails geschüttet werden, ist also unbegründet, denn bei einmaliger Einnahme wirkt es nicht. Ärzte und Psychologen argumentieren, dass ein Äquivalent zur männlichen Impotenz bei Frauen nicht existiert. Wenn Frauen kein sexuelles Verlangen hätten, würde das einfach daran liegen, dass sie ihren Partner nicht attraktiv finden. Flibanserin würde dann also lediglich die Symptome beheben, nicht aber die Ursache.

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