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Nabelschnurblut

Mit dem eigenem Nabelschnurblut gegen Diabetes

© moorhenne/pixelio Eine erste Patientin in Deutschland könnte demnächst von einer neuen Therapiemethode gegen Diabetes profitieren. Bei der dreijährigen Sonja wurde im Februar 2008 ein Typ-1 Diabetes festgestellt. Dies war zunächst ein Schock für die Eltern, aber eine neue Diabetes-Studie an der Technischen Universität München gibt Hoffnung. Die Studie setzt das eigene Nabelschnurblut im Kampf gegen den Diabetes ein.

Seit gut 20 Jahren forscht die regenerative Medizin um die Potenziale von Nabelschnurblut. Vermehrt Erfolgserlebnisse werden dabei inzwischen verzeichnet. Dennoch reagiert die breite Bevölkerung auf diesen Forschungszweig bisweilen immer noch mit Skepsis oder sogar Ablehnung. Das zeigt, dass sowohl Forscher als auch Mediziner noch einige Aufklärungsarbeit zu leisten haben. Die Forschung richtet ihr besonderes Interesse auf die Stammzellen die in der Nabelschnur enthalten sind.

Stammzellen haben eine große Bedeutung für den Menschen, da sie verschiedene Zelltypen und Organe nach bilden können. Sie reparieren und regenerieren den menschlichen Organismus ein Leben lang. Die Zellen des Dünndarms beispielsweise werden alle 3–7 Tage erneuert, die der Magenschleimhaut wöchentlich und die der roten Blutzellen alle 120 Tage. Aufgrund dieser herausragenden Eigenschaften sind Stammzellen für die Entwicklung vieler Therapieformen enorm interessant.

Nabelschnurblut der Stammzellenlieferant

Die ergiebigste Quelle mit der besten Qualität an Stammzellen ist unsere Nabelschnur. Sie enthält ein Millionenheer davon, welches ganz einfach und risikolos gewonnen werden kann. Schon oft wurden Nabelschnurblut-Stammzellen bei verschiedenen Krankheiten im Kindesalter angewendet. Die Schwachstelle der Gewinnung dieser Stammzellen ist, dass die gewonnene Menge oft für die Behandlung eines erwachsenen Menschen zu gering ist.

Neue Therapiemethode in Deutschland eingesetzt

Die Eltern der kleinen Sonja haben sich für eine Teilnahme an einer neuen Diabetes-Studie an der TU München entschieden, bei der das eigene Nabelschnurblut im Kampf gegen die Krankheit eingesetzt wird. Die neue Studie untersucht, ob durch die Abgabe von eigenem Nabelschnurblut die körpereigene Insulinproduktion aufrecht erhalten werden kann. Heike Boerschmann, Ärztin und Studienkoordinatorin dieser Diabetesstudie erklärt, “wir hoffen, dass die Kinder weniger Insulin brauchen und eine bessere Stoffwechseleinstellung haben”.

Bei der Geburt von Sonja im März 2006 hatten die Eltern vorsorglich Nabelschnurblut abnehmen und dieses bei der Nabelschnurblutbank Vita 34 aufbewahren lassen. Einen Verdacht auf Diabetes hatten sie zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. Susanne Eichhorn erklärte: “Die Einlagerung haben wir in der Hoffnung vorgenommen, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt für unsere Tochter oder für andere Familienmitglieder von Vorteil sein könnte. Eine Diabetes-Erkrankung war für uns zu der Zeit nicht abzusehen, wir hatten auch bisher in der Familie keinerlei Vorerkrankungen.”

Inzwischen haben Sonja sowie zwei weitere Kinder im Rahmen der Studie bereits ihr eigenes Nabelschnurblut in Form einer Bluttransfusion erhalten. Die Behandlung wird in den nächsten zwei Jahren fortgesetzt. Die kleinen Patienten werden über diese Zeit regelmäßig auf ihre Blutzuckerwerte und ihren Insulinbedarf untersucht. Um Rückschlüsse ziehen zu können, werden die Ergebnisse mit denen einer Kontrollgruppe verglichen.
Durch die Therapie ist zwar keine vollständige Heilung zu erwarten, aber eine deutliche Besserung der Lebensqualität. Boerschmann erklärt: „Wenn wir es schaffen, die Blutzuckerwerte stabil zu halten, fallen die gefährlichen Langzeitschäden geringer aus, etwa an den Nieren, Augen und großen Gefäßen“.

Eine ähnlichen Studie in den USA weist bereits vielversprechende Ergebnisse auf: Die behandelten Kinder benötigten im Vergleich zu konventionell behandelten Patienten weniger Insulin und hatten einen niedrigeren Langzeitblutzuckerwert.

Dr. Eberhard Lampeter, Gründer der Nabelschnurblutbank Vita 34 sieht in Zukunft einen großen Bedarf an Therapien mit Nabelschnurblut, „jetzt beginnt, was wir immer vermutet haben: Die Therapien mit Nabelschnurblut werden ihren Platz in der modernen Medizin finden. Das zeigt sich nicht nur bei der Diabetes-Studie. Auch andere bislang unheilbare Erkrankungen werden zunehmend mit Nabelschurblut behandelt.”

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