Erstellt am: 04.06.2010
Letzte Änderung am: 04.06.2010
Seit Jahren beschäftigen sich weltweit viele Diabetes-Studien damit, einen Impfstoff gegen die Stoffwechselerkrankung zu entwickeln. Verschiedene Etappenerfolge an Versuchtieren konnten bereits verzeichnet werden. Aktuell haben kanadische Wissenschaftler bei Versuchen mit Mäusen einen neuen Impfstoff entwickelt, der aus kleinen Nanopartikeln besteht. Er unterstützt die Immunzellen gegen den Diabetes und soll danach bei den Versuchstieren die Entwicklung des Typ-1-Diabetes mellitus verhindern.
Typ-1-Diabetes wird häufig auch als Autoimmunerkrankung bezeichnet. Dies ist eine Überreaktion des Immunsystems auf körpereigenes Gewebe und Zellen. Die Erkrankung zerstört die körpereigenen Zellen, anstatt Krankheitserreger abzuwehren. Diabetes-Typ-1 zerstört irregeleitete T-Zellen des Immunsystems die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die für die Insulinproduktion verantwortlich sind. Die kanadische Forschungsgruppe der Calgary University hat jetzt einen Weg gefunden, den körpereigenen Angriff gegen die Insulin produzierenden Zellen aufzuhalten.
Nanopartikel gegen Diabetes
Die Forschergruppe um Dr. Pere Santamaria vom Julia McFarlane Diabetes Researchers Center entwickelte einen neuen Impfstoff, der aus kleinen Nanopartikeln besteht. Dieser Impfstoff ist einzigartig und tausend Mal kleiner als die Größe einer Zelle. Die Nanopartikel sind mit Proteinfragmenten (krankheitsrelevanten Peptiden) ummantelt, die für Typ-1-Diabetes spezifisch sind und an das Molekül MHC gebunden sind. MHC steht für eine Gruppe von Genen, die die Proteine kodieren, die für die Immunerkennung wichtig sind. Aufgrund des MHC können sämtliche Zellen als körpereigen identifiziert werden, da er bei jedem Individuum einzigartig ist.
Die verwendeten Nanopartikel erneuern im Immunsystem die Bildung von sogenannten autoregulativen T-Zellen, eine spezialisierte Untergruppe der T-Zellen. Regulatorische T-Zellen haben die Funktion, die Aktivierung des Immunsystems zu unterdrücken, um dadurch die Entstehung von Autoimmunkrankheiten zu verhindern. Sie sind somit der Gegenspieler der aggressiven T-Zellen, die beim Typ-1-Diabetes mellitus für die Zerstörung der Beta-Zellen verantwortlich sind.
Impfstoff-Wirkung
Die Wirkung der Impfung erklärt Wissenschaftler Dr. Santamaria wie folgt: „Im Wesentlichen findet ein internes Tauziehen zwischen den aggressiven T-Zellen, die für die Krankheit verantwortlich sind und den regulatorische T-Zellen, die versuchen den Ausbruch zu verhindern statt.“ Wie die Mausexperimente zeigen, kann durch die Impfung der Ausgang des Zellkampfes soweit beeinflusst werden, dass die Autoimmunerkrankung weitgehend gestoppt wird. In den Experimenten konnte der autoimmune Angriff auf die Beta-Zellen durch den Impfstoff verhindert werden. Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse, dass sich die Blutzuckerwerte bei den Tieren, die bereits einen Diabetes hatten normalisierten.
Dr. Santamaria erläutert weiter, dass der Impfstoff keine negativen Folgen für die Immunabwehr habe, da er ein für den Angriff auf die Beta-Zellen spezifisches Peptid (Protein) enthalte, welches sich von dem Molekühlabschnitt der Krankheitserreger unterscheide.
Therapie bei Menschen einsetzbar?
Die Ergebnisse von tierexperimentellen Studien können nicht synonym auf den Menschen übertragen werden, da der menschliche Organismus in vielen Bereichen anderes reagiert, als der von Tieren. Aus diesem Grund kann aus den vorliegenden Mausergebnissen nicht abgeleitet werden, ob der Impfstoff auch für Menschen effektiv und sicher ist. Weitere am Menschen orientierte Studien müssen durchgeführt werden.
Bekannt ist bisher, dass bei Menschen ein Typ-1-Diabetes durch eine lebenslange, starke medikamentöse Immunsuppression verhindert werden kann. Nach derzeitigem Kenntnisstand hätte dieses Verfahren jedoch größere Nachteile für den Patienten als die Insulintherapie.
Autor: Kerstin Kirchner
Quelle:
PM der Studie http://www.uti.ca/news/news_view.asp?EventID=189
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/40777/Nano-Impfstoff_heilt_Typ-1-Diabetes_mellitus_bei_Maeusen.htm
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1028598
http://www.antikoerper-online.de/resources/18/630/Haupthistokompatibilitaetskomplex+MHC/