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Forschungsprojekt

Neues Forschungsprojekt am Start: Wie Bakterien diabetisches Gewebe infizieren

©Michael Bührke/ Pixelio Angesichts der bedrohlich steigenden Rate von Patienten mit diabetischem Fußsyndrom haben sich Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung zum Ziel gesetzt, die Beschaffenheit der Bakterien zu untersuchen, welche das diabetische Gewebe infizieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das über drei Jahre laufende Projekt im Rahmen der Initiative "Medizinische Infektionsgenomik“ mit einer Million Euro. Die Ergebnisse könnten ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung künftiger Vorsorgemaßnahmen sowie der Behandlung von Wunden im diabetischen Gewebe sein.

Diabetes ist eine Krankheit mit zahlreichen Auswirkungen auf die Gesamtgesundheit. Meistens zieht sie mehrere Folgeerkrankungen mit teils lebensbedrohlichen Komplikationen nach sich. Besonders heikel, da häufig ungemerkt, ist die diabetische Neuropathie. Sie entsteht infolge dauerhaft hoher Zuckerwerte, welche die Nerven schädigen. Beine und Füße sind dabei am meisten gefährdet. Aufgrund beschädigter Nerven haben die Patienten ein gemindertes oder gar kein Schmerzempfinden mehr. Druckstellen, Blasen oder kleine Verletzungen bleiben dadurch unbemerkt. In die vernachlässigten Wunden nisten sich Bakterien ein und bewirken schwere Entzündungen. In medizinischen Fachjargon spricht man dabei vom diabetischen Fußsyndrom - einer der schwerwiegendsten diabetesbedingten Komplikationen. Aufgrund der generell schlechten Blutversorgung bei Diabetikern ist die Heilung der infizierten Stellen eine komplizierte Angelegenheit. Im schlimmsten Fall kommt es zur Amputation des betroffenen Körperteils.

Infektionen bei Diabetes: Ernüchternde Zahlen, erschreckende Prognosen

Insgesamt werden die Begleiterscheinungen der Stoffwechselkrankheit „Diabetes“ zu einem neuen Problem der Medizin. Studien belegen, dass immer mehr Diabetiker an Folgeerkrankungen leiden und im Extremfall daran sterben. Die Internationale Diabetesföderation beispielsweise schätzt, dass allein im Jahr 2010 weltweit vier Millionen Menschen zwischen 20 und 79 Jahren an der Zuckerkrankheit und ihren Folgen vorzeitig gestorben sind. Im Vergleich zur diabetesbedingten Todesrate im Jahr 2007 ergibt dies eine Zunahme von 5,5 Prozent. Betrachtet man die Verbreitung der Krankheit im Zeitraum der letzten zwanzig Jahre, so hat sich die Zahl der Erkrankten bis zum jetzigen Zeitpunkt versiebenfacht. Ein ähnlich steigender Trend wird auch für die nächsten Jahre erwartet: rund 350 Millionen Diabetiker soll es im Jahr 2025 weltweit geben. Auch in Deutschland wird mit einer Verdopplung der Zahl in den nächsten 10 Jahren gerechnet. Bisher wurden hierzulande etwa 7,5 Millionen Kranke diagnostiziert.   

Mit Forschung bessere Therapiechancen schaffen

Etwa 900.000 Menschen werden jährlich aufgrund des diabetischen Fußsyndroms behandelt. Bei vielen Betroffenen nimmt das Leiden besonders schwere Verlaufsformen an. Obwohl das Diabetische Fußsyndrom ein bekanntes Krankheitsbild darstellt, ist es bisher nur ungenügend erforscht worden. Diese Wissenslücken wollen die Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, den Universitäten Göttingen, Bielefeld und Gießen sowie der Uniklinik Münster füllen. Unter der Leitung der Ärztin Eva Medina startete das Projekt Anfang Oktober diesen Jahres. Die Forscher wollen die Beschaffenheit und das Zusammenspiel von Bakteriengemeinschaften untersuchen, welche die Infektion des Fußes und Knochens verursachen. Bisher ist lediglich bekannt, dass  viele verschiedene Bakterienarten dabei eine wichtige Rolle spielen. Ein bekannter Erreger in dieser Hinsicht trägt den Namen Staphylococcus aureus. Das Bakterium ist dafür bekannt, dass es tief in das Gewebe eindringen und zu einer Entzündung des Knochens führen kann. „Diese Art von Infektion erschwert die Behandlung eines Diabetes-Fußes erheblich“, so. Medina. Um eine geeignete Therapiestrategie zu etablieren, seien deswegen zusätzliche Forschungsanstrengungen notwendig, zum Beispiel um den genauen Infektionsweg aufzuklären. 

Das BMFG - Verbundprojekt: Bakterielle Faktoren erstmalig identifizieren

Um die Entzündungsreaktionen beim diabetischen Fußsyndrom besser zu verstehen, soll das Verbundprojekt um Dr. Mendina identifizieren, inwiefern sich Bakterien und Patient gegenseitig beeinflussen. Das wiederum wirft viele weitere Fragen auf, denen die Forscher nachgehen wollen: Welche Bakterien führen zu einer Infektion? Welche halten die Wunde chronisch? Welche Bakterien schließen sich zu Gemeinschaften zusammen, die eine Behandlung erschweren? Welche Gene werden in den Bakterien und in den infizierten Geweben des Patienten zu welchem Zeitpunkt ein- und ausgeschaltet?
Auf der Suche nach Antworten, sollen im Laufe des Projekts Bakterienkulturen untersucht werden, die aus diabetischem, wundem Gewebe stammen. Bisher steht fest: Proben in der Nähe der Hautoberfläche zeigen häufig eine Vielfalt an unterschiedlichen Bakterientypen. In tieferen Gewebeschichten nimmt die Variationsbreite der Mikroben ab. In der Nähe der Knochen können meistens nur drei oder vier unterschiedliche Stämme nachgewiesen werden. „Wir wollen klären, woher die Bakterien kommen“, sagt Eugen Domann, Projektpartner aus Gießen. Erste Ergebnisse bezüglich dieser Fragestellung fallen überraschend aus: Die untersuchten Bakterienkulturen weisen nicht nur Keime auf, die sich auf der Haut finden lassen. Es finden sich vorwiegend Darmbakterien oder Mikroben, die normalerweise auf Haustieren siedeln. 

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