Erstellt am: 30.11.2009
Letzte Änderung am: 30.11.2009
Ältere, allein lebende Menschen vergessen unter umständen manchmal die Einnahme von Tabletten auch dann, wenn diese lebenswichtig sind. Das Pharmaunternehmen Novartis hat nun erstmals eine Blutdruck senkende Tablette mit einem biologisch abbaubaren Mikrochip ausgestattet, der signalisieren soll, ob die Pille rechtzeitig im Magen ankommt.
Wie funktioniert der Pillenchip?
Ein Mikrochip ist ein winziges elektronisches Bauelement, das je nach Konzeption auch Signale abgeben kann. Der Pillen-Chip der Firma Novartis erzeugt ein bestimmtes, elektrisches Signal, sobald die Tablette, in der er sich befindet, von der Magensäure zersetzt wird. Dieses elektrische Signal wird an einen anderen Chip gesendet, der in einem Pflaster auf der Schulter des Patienten befestigt wird. So erfährt der Pflasterchip die Information „Pille geschluckt“. Wenn das Signal ausbleibt, kann der größere Chip auf dem Pflaster per Funksignal eine Erinnerungs-SMS auf das Handy des Patienten oder seiner Angehörigen schicken lassen.
Was passiert mit dem Pillen-Chip im Magen?
Zudem könnte die vergessene Medikamenteneinnahme auch per Internet an die zuständigen Ärzte gesendet werden. Novartis hat die Mikrochip-Pillen jüngst an 20 Patienten getestet: Nach nur 6 Monaten stieg die korrekte, regelmäßige Einnahme des Blutdrucksenkers von anfänglichen 30% auf nahezu 80% an. Diese Studie kann jedoch allenfalls als ein erster Testlauf betrachtet werden, denn für eine Medikamentenstudie sind ein Beobachtungszeitraum von einem halben Jahr bei nur 20 Teilnehmern sehr wenig.
Der Chip in der Pille ist nur so groß wie ein Sandkorn. Er beinhaltet eine winzige Batterie, die aus Nahrungsmitteln hergestellt ist und gut verdaulich sei, so die Herstellerfirma. Wenn die Batterie mit Wasser in Kontakt kommt, erzeugt sie ein elektrisches Signal, das durch das Gewebe des Patienten geleitet wird. Pro Pille kostet dieser Mikrochip nur wenige Cents. Der Preis für das Pflaster mit dem Funkchip wird allerdings wahrscheinlich deutlich höher liegen.
Stichwort: Datensicherheit. Verschiedene Fragen bleiben offen
Die Skandale um die Verluste hochsensibler Daten bei Banken, Arbeitsämtern und Personalabteilungen in Unternehmen reißen nicht ab. SMS lassen sich zudem relativ leicht abfangen. Es ist also durchaus möglich, dass Informationen über die Medikamenteneinnahme in falsche Hände geraten. Für ältere Menschen könnte der Funkchip zwar eine echte Erleichterung bei der Tabletteneinnahme sein, allerdings müssen sie dazu ein Handy bedienen können. Wer das nicht kann und regelmäßig von seinen Verwandten erinnert werden muss, könnte diese Hilfe schnell als lästige Gängelei empfinden. Wie sinnvoll es ist, Ärzte mit elektronischen Informationen über die Tabletteneinnahme zu informieren, ist ebenfalls fraglich, weil diese ohnehin schon eine enorme Verwaltungsarbeit leisten müssen.