Erstellt am: 20.06.2005
Letzte Änderung am: 20.06.2005
Ob Abenteuerurlaub in Südafrika, Sightseeing in Australien oder Skiurlaub in Norwegen - eine Reise mit Diabetes stellt heutzutage kein Problem mehr dar. Voraussetzung ist allerdings, dass sich der Betroffene vorab ausreichend über sein Urlaubsziel informiert. In einem kleinen Praxistest wollten wir herausfinden, wie gut Diabetiker in Reisebüros beraten werden.
Zur Aufgabe haben wir folgende Ausgangssituation gewählt: Eine junge Diabetikerin, Anfang zwanzig, möchte zum ersten Mal alleine verreisen. Als Ziel hat sie sich Tunesien ausgesucht - allerdings fühlt sie sich mit ihrem Diabetes etwas unsicher, vor allem da es jetzt ins Ausland gehen soll. Deshalb ging sie in je eine Filiale von zwei namhaften Reiseveranstaltern.
Solide Beratung...
Der erste Termin ließ auf Gutes hoffen: Eine sehr bemühte und engagierte Mitarbeiterin unterbreitete unserer Testperson interessante Angebote verschiedener Hotelanlagen in Tunesien. Als die Frage nach eventuellen Problemen am Flughafen wegen des Pens im Handgepäck aufkam, schien sie zwar im ersten Moment etwas überrascht, bat aber sogleich ihre Kollegin um Hilfe. Zusammen riefen sie in der Zentrale des Unternehmens an, ließen sich die entsprechenden Informationen geben und reichten den Hörer auch an unsere Testerin weiter.
Der Servicemitarbeiter am Telefon verwies auf ein Merkblatt "Diabetiker auf Reisen". Er versprach, dieses schnell an die private Adresse der jungen Dame zu schicken, um ihr weitere, unnötige Wege zu ersparen. Weitere spezifische Fragen rund um die Zuckerkrankheit konnten nicht mehr beantwortet werden, doch die Broschüre versprach, hilfreich zu sein. Also war Warten angesagt:
Schon einen Tag später flatterte sie in den Briefkasten. Die Informationen darin waren umfangreich, verständlich geschrieben und durchaus in der Praxis umsetzbar.
Doch zurück ins Reisebüro: Ohne bislang eine Buchung unterschrieben zu haben, erhielt unsere Testperson noch eine Liste deutschsprachiger Ärzte vor Ort. Außerdem verwiesen die Mitarbeiterinnen darauf, dass es von Vorteil sei, bei der Flugbuchung die Diabeteserkrankung anzugeben. Dann würde man an Board mit geeigneten Speisen versorgt. Beim Hotel selbst sei es dagegen schwieriger, Nährwertangaben oder gar spezielle diätetische Gerichte zu bekommen.
Insgesamt verlief das Gespräch sehr positiv. Zwar konnten die Mitarbeiterinnen hier nicht jede Frage direkt beantworten, doch wussten Sie genau, wo sie die entsprechenden Informationen erhielten. Dieses Ergebnis ließ auf mehr hoffen und so führte der Weg zur Filiale eines weiteren großen Reiseanbieters.
... oder schnelle Abfertigung?
Voller Vorfreude betrat die Testerin also den hellen und freundlichen Laden. Doch sehr viel weiter kam sie auch nicht. Schon wenige Schritte weiter wurde sie angesprochen. Richtig gut aufgehoben fühlte sie sich während ihrer Beratung im Stehen nicht. An ihre guten Erfahrungen beim ersten Test denkend verwies sie gleich auf ihre Diabeteserkrankung.
Doch selbst die Frage nach der ärztlichen Versorgung bzw. nach einer Adressliste von deutschsprachigen Ärzten vor Ort konnten nicht beantwortet werden. Anders als im ersten Büro fragte die Mitarbeiterin keine Kollegin um Hilfe. Vielmehr verwies sie auf den Arzt. Hier solle man sich zuerst erkundigen, ob Tunesien überhaupt ein für Diabetiker geeignetes Reiseziel sei.
Nur der Hinweis, dass eine ärztliche Bescheinigung in deutscher und englischer Sprache für einen reibungslosen Ablauf beim Zoll und der Sicherheitskontrolle am Flughafen gebraucht würde, erfolgte schließlich doch. Ein Diabetikerausweis sei zusätzlich sinnvoll.
Bei der Frage nach spezifischen Gerichten in den Hotels kam in etwa die gleiche Information wie beim ersten Test, nur etwas anders formuliert: Man könne wohl kaum erwarten, dass die Küchen für eine einzelne Personen individuelle Gerichte zubereiteten.
Immerhin informierte die Mitarbeiterin - wenn auch erst auf Nachfragen hin - dass es bei einem entsprechenden Hinweis bei der Buchung des Fluges an Board diabetesgerechte Kost gebe.
Es gab hier auch keine Merkblätter oder Broschüren für unsere Testperson. Nicht nur deshalb blieb nach Verlassen des Reisebüros hinsichtlich der Beratung ein fader Nachgeschmack zurück.
Fazit
Sicherlich kann man nicht erwarten, dass sämtliche Mitarbeiter eines Reisebüros über Diabetes im Speziellen und über die verschiedensten Krankheiten und deren Besonderheiten beim Reisen en detail Bescheid wissen. Aber gerade angesichts der hohen Rate an Personen mit körperlichen Einschränkungen sollte diesen ausreichend Informationen zur Verfügung gestellt werden. Besonders den großen Reiseveranstaltern sollte es möglich sein, auf entsprechende Informationen über den Computer oder die Zentrale zugreifen zu können.
Natürlich scheitert eine gute Beratung manchmal auch an der fehlenden Bereitschaft mancher Mitarbeiter. Haben diese kein Interesse, den Kunden ausführlich zu beraten, hat dieser letztlich keine Chance, an entsprechende Informationen zu kommen.
Doch den Diabetikern kann unsere Testperson einen guten Tipp geben: Sich nicht abwimmeln und entmutigen lassen. Selbst wenn man vielleicht bei einem Reisebüro wenig Informationen bekommt, lohnt es sich doch, in einem weiteren nachzufragen. Deutschland ist bei der Urlaubsberatung für Diabetiker nicht unbedingt eine Service-Wüste.
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Autor: Wiebke Raue
Ramona Völkl
Quelle: Testbesuch in zwei Reisebüros