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Projektstart: Diabetes im Klassenzimmer

Projektstart zum neuen Schuljahr: Diabetes im Klassenzimmer

©pixelio/ Dieter Schütz Für viele Kinder, ob mit oder ohne Diabetes, beginnt heute das nächste Schuljahr oder es steht sogar der erste Schultag an. Diabetes im Schulalltag sollte weder für die betroffenen Kinder noch für die Erzieher große Schwierigkeiten mit sich bringen. Viele Pädagogen fühlen sich dennoch unsicher und zweifeln daran, ob sie sich der Aufgabe ein diabetisches Kind in ihrer Klasse zu betreuen gewachsen fühlen. Die Angst vor Diabeteskomplikationen unter ihrer Aufsicht ist groß. Eine Kampagne des Deutschen Diabetikerbundes soll deshalb unterstützen, Ängste und Hemmschwellen abzubauen, indem Kinder und insbesondere Lehrer über den richtigen Umgang mit der Zuckerkrankheit aufgeklärt werden.

Insgesamt leben in Europa derzeit rund 50 Millionen Diabetiker, davon sind etwa acht Millionen Deutsche Bundesbürger. Am verbreitesten in der Bevölkerung ist der sogenannte Altersdiabetes (Typ-2-Diabetes). Zunehmend steigt aber auch die Zahl der jungen Patienten, die an einem Typ-1-Diabetes leiden. Zurzeit sind bereits rund 25.000 Kinder und Jugendliche an dieser Form erkrankt. Beobachtungen zeigen, dass zunehmend sehr junge Kinder - unter fünf Jahren - betroffen sind. Aktuelle Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation besagen, dass von 600 Kindern eines an Typ-1-Diabetes erkrankt. Experten erwarten, dass die Neuerkrankungsrate bei den jungen Kindern bis 2020 auf das Doppelte ansteigen wird. Damit wird es für die Gesellschaft immer wichtiger, dass sich Pädagogen über die Erkrankung ausführlich informieren, um dann bei einer Anmeldung eines an Diabetes erkrankten Kindes souverän reagieren zu können.

Aufklärung statt Unsicherheit in Schulen

Nicht selten werden solche Kinder in Kindergärten und Schulen mit dem Grund abgelehnt, die zuständigen Betreuer hätten kein hinreichendes Wissen, um das erkrankte Kind richtig betreuen zu können. Diesem Argument können Eltern zum Beispiel entgegen bringen, dass zahlreiche kostenlose Schulungen für Erzieher angeboten werden. Vorab bietet es sich auch an den Pädagogen die wichtigsten Grundsätze für die ambulante Behandlung zu erläutern und an dieser Stelle beispielsweise Ursachen wie eine schlechte Ernährung zu erwähnen. Verständnis und Aufklärung mildern die Ablehnung meist deutlich. Oftmals wissen die Betreuer einfach nicht, dass diabetische Kinder im Bezug auf ihr Begabungsspektrum sowie auf ihre individuelle Belastbarkeit grundsätzlich ebenso einzustufen sind wie gesunde Kinder.

Kampagne „Diabetes im Klassenzimmer“ – Pilotprojekt in Berlin

Die Kampagne „Diabetes im Klassenzimmer“ des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB) pünktlich zum Unterrichtsbeginn soll jetzt Lehrern die Möglichkeit bieten, durch Aufklärung ihre gröbste Unsicherheit zu überwinden, um so mehr Souveränität in ihre Klassenzimmer zu bringen. An vier Terminen im September, Oktober und November haben 60 Berliner Grundschullehrer die Gelegenheit, sich im Umgang mit Kindern mit Diabetes fortzubilden. Das Projekt wird von der Innungskrankenkasse Berlin/Brandenburg und der AOK Berlin unterstützt und hat das Ziel den Schulen das nötige Wissen zu vermitteln, um den Beteiligten einen gelassenen und souveränen Umgang mit der Krankheit zu ermöglichen. Das Projekt behandelt folgende Themenschwerpunkte:

-    Verständnis des Krankheitsbildes Typ-1-Diabetes und von akuten
     Komplikationen
-    Hilfestellung bei konkreten Alltags- und Sondersituationen im schulischen
     Alltag wie: Sport, Klassenfahrten, Geburtstagsfeiern
-    Diabetes in der Schule –Probleme und Lösungen
-    Blutzuckermessgeräte, Geräte zum Injizieren –Theorie und Praxis
-    Ernährung von Kindern mit Diabetes
-    Verbesserung der eigenen Handlungskompetenz (Möglichkeiten und
     Grenzen)

Sein wie alle anderen

Egal, ob die diabetischen Kinder im Kindergarten oder in der Schule sind: Freunde werden überall gefunden und die Zugehörigkeit zur Gruppe wird zum wichtigsten Faktor. Deshalb wollen - und müssen - die betroffenen Kinder auch nicht anders behandelt werden, als ihre gesunden Klassenkameraden. Eine Sonderbehandlung von Lehrern ist unnötig und schulische Aktivitäten wie Schulfeiern, Ausflüge oder Klassenfahrten sind ebenfalls erlaubt.

Die Einstellung zwischen Insulin und Mahlzeiten kann beispielsweise so gesteuert werden, dass die jungen Diabetiker ihr Pausenbrot zusammen mit den anderen Kindern einnehmen können und nicht während der Unterrichtszeit essen müssen. Und auch am Sport- oder Schwimmunterricht können die Kinder uneingeschränkt teilnehmen, wenn vorher zusätzlich Kohlenhydrate eingenommen werden. Hilfreich ist es auch, wenn das Kind seinen Blutzucker vor und nach der Aktivität selbst misst. So lernt es, selbstständig auf den Wert zu reagieren.
Beim Schwimmen sollte bedacht werden, dass diabetische Kinder hierbei, ohne es zu bemerken schneller unterzuckern. Die Hauptgefahr liegt vor allem darin, dass sie aufgrund der Unterzuckerung abtauchen und dabei normal weiteratmen. So sollten beim Schwimmunterricht zusätzliche Aufsichtspersonen, beispielsweise die Eltern, anwesend sein.

Zusätzliche Aufsichtpersonen sind auch bei Tagesausflügen oder mehrtägigen Klassenfahrten für die Lehrer sehr hilfreich. Gerade wenn das Kind noch sehr jung oder noch nicht selbständig genug ist, um seine Erkrankung zu behandeln.
Mit zunehmender Selbstständigkeit oder einem Alter um die 12 Jahre ist es ratsam die extreme Behütung der Eltern zu lockern. Die Eltern sollten dann sorgfältig überlegen, ob noch eine Extraaufsicht auf Klassenausflügen notwendig ist. Das Vertrauen, das den Kindern im Bezug auf ihre Selbstständigkeit geschenkt wird, stärkt das Selbstbewusstsein ungemein und verkleinert die Barriere, anders zu sein als andere.

Treffen mit Freunden

Ein anderer Aspekt, der Eltern Kopf zerbrechen macht ist beispielsweise, wenn der Sprössling nach der Schule alleine mit seinen Freunden spielen möchte. Dies sollte dem Kind auf keinen Fall verboten werden, da der Kontakt und die Auseinandersetzung mit gleichaltrigen Freunden helfen, sich altersgemäß sozial zu entwickeln. Nur in der Gemeinschaft mit anderen lernen Kinder, auf die Bedürfnisse anderer einzugehen und Rücksicht auf diese zu nehmen. Das Durchsetzen von eigenen Interessen bei Konkurrenz ist äußert wichtig für die Entwicklung der späteren Persönlichkeit.
Es gibt gesunde Kinder, die sich schnell auf einen diabetischen Freund einstellen können und eben Kinder, die das nicht können. Ist der gesunde Freund besonders einsichtig und verantwortungsbewusst sind die Eltern meist etwas beruhigter als wenn der beste Freund ein liebenswerter Chaot ist. Eine Lösung gegen das Kopfzerbrechen kann beispielsweise sein, die Eltern des gesunden Freundes zu fragen, ob diese mit einer Kinderschulung einverstanden wären. In altersgerechter Atmosphäre wird den Kindern hier die Erkrankung nahegebracht. Aufgeklärte Freunde beruhigen nicht nur die Nerven der betroffenen Eltern, sie können für den jungen Diabetiker auch stückweise mehr Lebensqualität bedeuten.

Autor: Kerstin Kirchner

Quelle: http://www.diabetikerbund-berlin.de/1_ebene/1_ebene/Diab_im_Klassenzimmer/Diabetes_im_Klassenzimmer.html
http://www.tagesspiegel.de/berlin/diabetes-mellitus/1806564.html
http://kindermedizin-jugendmedizin.suite101.de/article.cfm/diabetes_kinder_in_kindergarten_und_schule

  • Diabetes bei Kindern: Der große TRIAS-Ratgeber. Wolfgang Hecker, Bela Bartus. Karl F. Haug Fachbuchverlag.
  • Kinder und Jugendliche mit Diabetes. Medizinischer und psychologischer Ratgeber für Eltern. Peter Hürter; Karin Lange. Springer Verlag.

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