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Oktoberfest

Gerstensaft und Hochprozentiges auch bei Diabetes?

@pixelio/ Ivan Simunik Der Bierdurst auf dem diesjährigen Oktoberfest war wie in den Jahren zuvor rekordverdächtig. Millionen Maß Gerstensaft wurden von den Wiesn-Wirten an die Besucher ausgeschenkt. Im Überschwang solcher Feste schauen viele schnell zu tief ins Glas. Die Münchner Brauereien brauen sogar ein spezielles Bier, welches mehr Stammwürze und damit auch einen höheren Alkoholgehalt (rund 6–7 %) hat. Doch verträgt sich eigentlich Alkohol als ein wichtiges Element großer Volksfeste eigentlich mit der hierzulande größten grassierenden Volkskrankheit „Diabetes“?

Spirituosen sind als Genussmittel ein fester Bestandteil unserer Ess- und Trinkkultur. Insbesondere für Diabetiker stellen sie ein wichtiges Thema dar. Noch vor zwei Jahrzehnten tendierte die medizinische Empfehlung zu striktem Verbot von alkoholischen Getränken bei bestehender Zuckerkrankheit. Heutzutage hat die Diabetologie jedoch nicht mehr einen verbietenden, sondern viel mehr aufklärenden Charakter. Das bedeutet: Das Oktoberfest- feeling müssen sich auch Diabetiker per se nicht entgehen lassen, vorausgesetzt sie halten einige wichtige Regeln ein und sind über die möglichen Körperreaktionen auf Alkohol sowie die Hilfemaßnahmen im Notfall informiert. Dennoch ist und bleibt ein „Gläschen in Ehren“ für Diabetiker ein vorsichtiges Thema.

Alkoholwirkung bei bestehendem Diabetes

Alkoholgenuss kann für Diabetiker weitaus gravierendere Folgen haben als für Nicht-Diabetiker. Die Erfahrung lehrt, dass Menschen mit Diabetes dem Risiko einer lang anhaltenden und gefährlichen Hypoglykämie (Unterzuckerung) ausgesetzt sind. Dies hängt mit der Wirkung des Alkohols auf die Leber zusammen. Dieses Organ ist für die Speicherung und Freigabe von Zucker mitverantwortlich, der wiederum das Gehirn und die Muskulatur mit Energie versorgt. Alkohol (besonders in großen Mengen), hemmt diesen Stoffwechselprozess, was sich durch sinkende Blutzuckerwerte bemerkbar macht. Infolge kann es zu teils schweren Unterzuckerungen kommen, die zu heftigen Krampfanfällen führen oder im Extremfall im diabetischen Koma enden. Da in einer Notsituation, wie sie die Hypoglykämie darstellt, die Leber mit der Entgiftung des Alkohols beschäftigt und deshalb blockiert ist, hilft sogar das mit der Insulininjektion verabreichte und normalerweise zu einem sofortigen Blutzuckeranstieg führende Hormon Glukagon wenig. Lediglich eine direkt in die Vene gegebene Zuckerinjektion kann hier die Blutzuckerwerte normalisieren. Deshalb sollten Diabetiker bei Alkoholkonsum zu kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln greifen, da diese den Blutzuckerspiegel erhöhen.        

Diabetes und Spirituosen – lieber Vorsicht als Nachsicht

Eine neue Modeerscheinung in unserer Gesellschaft ist der verstärkte Genuss der so genannten „gesundheitsförderlichen Zubereitungen“ wie beispielsweise Rotwein. In Maßen soll es das Herz und die Gefäße schützen. Vor kurzem wollen holländische Forscher sogar entdeckt haben, dass „ein Gläschen in Ehren“ auch vor Diabetes bewahren kann. Zugleich gaben die Verantwortlichen der Studie aber zu, dass die Voraussetzung für diese positive Wirkung ein gesunder Lebensstil sei. Ergo, Gesundheit kann man sich mit Rotwein allein nicht antrinken.
Alkoholkonsum ist bei Diabetikern trotz aller Gefahren kein Tabu mehr. Es gibt nur einige Regeln im Umgang mit der Droge. So gelten hoch konzentrierte Alkoholika ohne Kohlenhydrate, wie Schnaps oder Wodka, für Zuckerkranke als besonders ungünstig. Geeigneter ist hingegen Bier, da hier das Verhältnis von Alkoholwirkung und Kohlenhydratbedarf ausgewogen ist und es seltener zu Unterzuckerungen kommt. Insgesamt sollten Diabetikerinnen aber nicht mehr als zehn Gramm Alkohol, sprich nicht mehr als ein Achtel Liter Wein täglich zu sich zu nehmen. Die Obergrenze für Diabetiker wird bei 20 Gramm Alkohol angelegt, was einem halben Liter Bier entspricht. Ferner sollten insbesondere insulinpflichtige Menschen, Alkohol nur in Kombination mit kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten konsumieren. Bei Fettstoffwechselstörungen sowie Leber- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen gehört Alkohol strikt auf die Verbotsliste. 
 
Alkoholabhängigkeit und Diabetes können sich gegenseitig bedingen

Alkohol kann nicht nur verhängnisvoll bei bestehendem Diabetes werden – es kann auch Diabetes auslösen. Zu der gefährdeten Gruppe gehören vorwiegend alkoholabhängige Menschen, die jahrelang bzw. massiv die flüssige Droge missbraucht haben. In einem solchen Fall kommt es häufig zu einer chronischen und schmerzhaften Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Als Folge wird das Organ derart beschädigt, dass kein Insulin mehr produzieren werden kann. Dadurch entsteht ein meist insulinpflichtiger Diabetes. Die Diabetestherapie wird bei bestehender Alkoholabhängigkeit deutlich erschwert. Zum Einen liegt es an der permanenten Giftzufuhr, die den Organismus negativ beeinflusst und das Risiko für Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen sowie für diabetesbedingte Akut- und Folgekomplikationen stark erhöht. Anderseits fehlt es den Betroffenen häufig schlicht an Behandlungsmotivation, was wiederum zur unzureichenden bzw. unregelmäßigen medizinischen Betreuung führen kann. Ähnliche Komplikationen und Probleme entstehen, bei Alkoholabhängigkeit als psychische Begleiterscheinung von Diabetes, insbesondere bei schwer einstellbarem Krankheitsbild.

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