Erstellt am: 14.04.2003
Letzte Änderung am: 14.04.2003
Täglich wird ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Online-Versandhandel von Arzneimitteln erwartet. Doch sollte aus Luxemburg ein positver Entscheid kommen, bedeutet dies noch lange nicht den Startschuss für unbegrenzte Online-Aktivitäten der Pharma-Versandhändler.Die Fronten zwischen Befürwortern einer Liberalisierung und den Bewahrern des Status Quo hatten sich schon lange verhärtet. Letztere - angeführt von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände - erhielten auf dem außerordentlichen deutschen Apothekertag in Berlin prominente Unterstützung: Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Horst Seehofer, legte sich fest: "Wir lehnen das klipp und klar ab."
Sollte die Union bei dieser Position bleiben, dürfte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt große Probleme bekommen, ihren Gesetzentwurf durch den Bundesrat zu bringen. Die Befürchtungen der Apotheker, die durch die Internet-Konkurrenz existentielle Probleme auf sich zukommen sehen, versucht sie mit dem Hinweis zu zerstreuen, dass aufgrund von Erfahrungen in anderen EU-Ländern anzunehmen ist, dass nur etwa 8 Prozent aller Versicherten den Versandhandel nutzen werden.
Unterstützung erfährt Schmidt vom Verband der Betriebskrankenkassen: "Das Gesundheitswesen kann es sich nicht leisten, Einsparmöglichkeiten zu verschenken."
Sehr interessant sind in diesem Zusammenhang die Erläuterungen von Michael Weller vom AOK-Bundesverband:
"Dass sich Lobbyisten gegen schmerzhafte Einschnitte wehren, ist ihr Beruf. Das Statistische Bundesamt hat errechnet, dass die Umsätze der deutschen Apotheken in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 20 Prozent gewachsen sind. Im Durchschnitt haben die Apotheker im Jahr 2001 rund 310 Euro je Einwohner umgesetzt; 1996 waren es etwa 250 Euro. Auch 2002 sind die Umsätze der Apotheken um vier bis fünf Prozent gestiegen. Demgegenüber muss der Einzelhandel mit realen Umsatzrückgängen leben.
Aus Sicht der AOK ist eine flächendeckende Apothekenversorgung nicht in Gefahr. Wir stehen vielmehr vor strukturellen Veränderungen, denen sich die Apothekerverbände nicht verschließen sollten. Die AOK begrüßt die Pläne der Bundesregierung, den Arzneimittelhandel zu liberalisieren."
Autor: Redaktion