Erstellt am: 12.05.2003
Letzte Änderung am: 12.05.2003
Einigung über umstrittenen Vertriebsweg erfolgte noch in 2003
Die Technisierung unserer Umwelt macht das Leben von Tag zu Tag leichter. Die Kaffeemaschine, die zur gewünschten Zeit den richtig dosierten Kaffee kocht, die Waschmaschine, die nicht nur sauber sondern auch rein wäscht, oder das Auto, welches man, dank des Komforts, fast gegen den heimischen Sessel eintauschen möchte. Das Internet trägt zu dieser Entwicklung entscheidend bei. Neben Supermärkten oder Kaufhäusern können jetzt auch Apotheken in Deutschland den Online-Vertriebsweg anbieten. Die Entscheidung über dieses umstrittene Thema wurde noch in 2003 gefällt. Die Diskussion darüber zog sich lange hin.
Vorreiter dieser Idee sind, wie sollte es anders sein, die USA. Mit einem Marktanteil von 12 Prozent und jährlich 150 Millionen Rezepten haben sich Versandapotheken dort längst etabliert.
Nach Europa ist der Trend bereits vor ein paar Jahren geschwappt. In Ländern wie Großbritannien, Schweiz und Holland ist dieser Vertriebsweg bereits erlaubt. Der wohl bekannteste Vertreter unter ihnen ist das holländische Unternehmen, "DocMorris". Nach dessen Gründung 2000 schnellte der Umsatz auf jährliche 25 Millionen Euro. Sollte der deutsche Markt geöffnet werden, plant das Unternehmen den Umzug nach Deutschland.
Hierzulande steht man der Zulassung zwiespältig gegenüber. Anfang Februar gab das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung acht Eckpunkte unter der Überschrift "Acht Maßnahmen für Qualität und Wirtschaftlichkeit" heraus. Punkt sieben befasst sich mit der Liberalisierung des Apothekenrechts und der Vertriebswege. Ungeachtet der zahlreichen Proteste deutscher Apotheker stünde dann einem Versandhandel nichts mehr im Wege. Ein erster Schritt in diese Richtung ist der im Februar zugelassene Einkauf von Impfstoffen im Internet ausschließlich durch Ärzte. Der Bundesverband Deutscher Versandapotheker rechnet bis Ende des Jahres mit einem Marktanteil am Direktvertrieb von 15 Prozent. Die Initiative pro Arzneimittelhandel (Pro-DSA) sieht in der Öffnung des deutschen Arzneimittelhandels positive Effekte besonders für den Endverbraucher. Chronisch Kranken und Immobilen soll die regelmäßige Medikamentenversorgung einfach und unproblematisch erleichtert werden. Zudem sind mittels Versandapotheken überlieferte Arzneimittel im Schnitt um 15% billiger und die Rezeptgebühr entfällt.
Derweil verbietet der § 43 des AMG den Versand apothekenpflichtiger Medikamente und muss daher über die Apotheke abgewickelt werden. Nur in Ausnahmefällen ist ein Direktversand an den Endverbraucher erlaubt. Deutschlandweit befürchten Apotheker und Apothekerverbände, dass mit der Zulassung des Versandhandels eine mangelnde Aufklärung und Beratung zu fatalen Folgen führen könnte. Wissenschaftler der australischen Monasch Universität haben, nach Angaben des Diabetiker Ratgebers, weltweit 100 Versandapotheken unter die Lupe genommen. Nicht einmal die Hälfte der Anbieter gab zusätzlich zu den Arzneien Informationen über Wechsel- und Nebenwirkungen. Außerdem, so die Befürchtung vieler Apotheker, könnte es passieren, dass der Versand nur gewinnträchtigen Produkte anbietet. Auf lange Sicht könnten viele Apotheken nicht überleben. Eine flächendeckende Versorgung wäre nicht mehr tragbar.
Weiterhin offen bleibt die Frage, wie viele Menschen welcher Altersgruppe den Versandhandel in Deutschland überhaupt nutzen würden. Studien in den USA haben gezeigt, dass lediglich acht Prozent auf diesen Vertriebsweg zurückgreifen. Gerade ältere Menschen mit höherem Medikamentenbezug setzen lieber auf eine persönliche Beratung und den kleinen Plausch in der Apotheke.
Autor: Steffi Dörries