Erstellt am: 02.11.2010
Letzte Änderung am: 02.11.2010
Seit längerem stehen spezielle Diabetikerprodukte ähnlich wie das so genannte "functional food" im Zentrum der Kritik. Ärzte und Diabetikerverbände halten sie nicht nur für überflüssig, sondern in manchen Fällen sogar für schädlich und irreführend. Hinzu kommt, dass der aktuelle Stand der Diabetesforschung bei bestehender Zuckerkrankheit übliche Lebensmittel als sinnvoller einstuft.
Noch vor wenigen Jahren wurde die Ansicht vertreten, dass Diabetiker den Haushaltszucker aus ihrem Speiseplan möglichst streichen sollten. Aus wissenschaftlicher Sicht gilt dieser Standpunkt mittlerweile als überholt. Der Irrtum der damaligen Wissenschaft hinterließ jedoch Spuren. So machte sich die Nahrungsmittelbranche die einst geltenden Ansichten und Empfehlungen zu Nutze und füllte die Supermarktregale mit Produkten, die prompt der Öffentlichkeit als "Diabetiker- Lebensmittel" vorgestellt wurden. Was jedoch damals für Diabetiker als "geeignet" deklariert wurde, soll heute nicht mehr verkauft werden. Das hat der Ausschuss des deutschen Bundesrates für Agrarpolitik und Verbraucherschutz am Anfang September einstimmig beschlossen.
Diabetesprodukte halten nicht was sie versprechen
Bei Kosmetik- und Körperpflegeprodukten werden die Kunden mit Versprechen gelockt, die ein jüngeres Erscheinungsbild der Haut oder die Linderung von Stresssymptomen in Aussicht stellen. Mit ähnlichen Tricks verführt die Lebensmittelbranche, indem sie Produkte anbietet, die beim Abnehmen helfen oder sich positiv auf den Blutzuckerspiegel auswirken sollen. Der tatsächliche Nutzen dieser Lebensmittel bleibt jedoch fraglich - das belegen wissenschaftliche Tests und jahrelange Studien. Besonders kritisch werden dabei die Diabetikerprodukte betrachtet. Hier wird der übliche Haushaltszucker durch Fruchtzucker oder Zuckeralkohole ersetzt. Solch energiehaltige Zuckeraustauschstoffe sind aber ebenfalls Kalorienlieferanten und haben gegenüber der Verwendung von üblichem Zucker (Saccharose) für Diabetiker keinen Zusatznutzen außer einer verminderten Kariesbildung. Zahlreiche solcher Lebensmittel enthalten zudem hohe Anteile ungünstiger Fette, welche sich wiederum auf das Gewichtsproblem des Patienten ungünstig auswirken. Dieser relativ hohe Fettgehalt entsteht, da Nahrungsmittelhersteller bei der ohnehin zuckerreduzierten Ware gerne Fett als Geschmacksträger hinzufügen. Das gilt beispielsweise für Diätschokoladen, Diätgebäck und Diätdesserts. Ferner kann der Kunde durch die Aufschrift "für Diabetiker geeignet" in die Irre geführt werden, da häufig der Glaube entsteht, man könne unbegrenzt davon essen - warnen die Experten der International Diabetes Federation (IDF) und der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). Der Kostenfaktor der "Diabetiker-Produkte" lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Das Fazit der Fachgesellschaften fällt demzufolge vernichtend aus: kein Nutzen (und sogar Schaden) für viel Geld.
Gesunde Ernährung ist einfach und günstig
Zu den Zielen einer Ernährungstherapie bei Diabetikern zählen neben dem Erreichen normgerechter Blutzuckerwerte, optimierte Blutfettwerte und HbA1c-Werte, ein normaler Blutdruck sowie normales Körpergewicht. Nur auf diese Weise kann möglichen Diabeteskomplikationen gezielt vorgebeugt werden. Entgegen der Behauptungen der Hersteller von Diabetesprodukten können diese Ziele bereits durch eine Kost erreicht werden, die als vollwertige ausgewogene Ernährung auch für gesunde Erwachsene empfohlen wird. Man sollte dabei auf eine reichlich ballaststoff- und vitaminreiche Ernährung achten und anstatt gesättigter Fette ungesättigte Fettsäuren aus Ölen und Fisch zu sich nehmen. Besonders die Ballaststoffe verbessern dabei die Insulinresistenz. Ferner sollte der tägliche Verzehr von fetten Wurst- und Käsesorten sowie von Schokolade, Kuchen und Gebäck gemieden werden. Haushaltszucker und Alkohol sind in geringen Mengen erlaubt. Trotz der allgemein geltenden Ernährungsempfehlungen wird Diabetikern zu regelmäßigen Arztbesuchen, einer ausreichenden Diabetiker-Schulung und einer angemessenen Information über die Zusammensetzung der Lebensmittel geraten. In manchen Fällen erfordert die Medikation einen individuellen Speiseplan. Dieser muss mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Um die allgemeine Orientierung der Menschen im Supermarktdschungel zu erleichtern, fordern Fachverbände derzeit anstatt der Diät- oder Diabetikerprodukte, europaweit Kennzeichnungen mit einer übersichtlichen Auflistung der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln inklusive der Mengen von Kohlenhydraten, Fetten (mit ausdrücklichem Hinweis auf die Anteile gesättigter Fette und Transfette) und Zucker einzuführen. Zudem wird die Angabe des Kalorien- und Ballaststoffgehalts angestrebt.
Autor: Beata Mazuryk
Quelle:
http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=865
http://www.diabetes-ratgeber.net/Ernaehrung/Diabetikerprodukte-bieten-keine-Vorteile-53992_4.html
http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/diabetiker-lebensmittel-bald-verboten-3882.php
http://www.diabetesde.org/aktiv_leben/ernaehrungstipps/spezielle_lebensmittel_fuer_diabetiker/texte/#c18195
http://www.diabetes-heute.uni-duesseldorf.de/ernaehrung/texte/index.html?TextID=923