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Eine Klassenkameradin hat Diabetes

Eine Klassenkameradin hat Diabetes - Alltag in einer Grundschule

Schulkind mit Diabetes In unserer Klasse gibt es ein Mädchen, das hat Diabetes. Am Anfang wussten wir gar nicht, was das heißt, aber unsere Klassenlehrerin hat es uns gleich erklärt: Immer wenn wir etwas essen, steigt der Zuckergehalt in unserem Blut an. Bei gesunden Menschen macht das gar nichts, weil der Körper diesen verbraucht und selbst dafür sorgt, dass der Wert immer wieder normal wird.

Bei Angelina passiert das nicht. Ihr Blutzuckerwert geht nicht von alleine runter. Regelmäßig muss sie ihn kontrollieren. Und ein paar mal am Tag bekommt sie eine Spritze. Darin ist Insulin, das dafür sorgt, dass auch ihr Blutzucker wieder normal wird. Als sie noch kleiner war, musste das ihre Mama machen. Jetzt schafft sie es schon alleine. Sie darf auch nicht immer das essen, was wir gerne mögen. Auf bestimmte Sachen muss sie verzichten.

Ganz normaler Schulalltag

Das hört sich alles schrecklich kompliziert an, aber für Angelina ist das ganz normal. Sie hat Diabetes bekommen, als sie gerade mal drei war - also vor sechs Jahren. Wie es vorher war, weiß sie gar nicht mehr.

Zur Frühstückspause um 9.45 Uhr holt sie immer ein kleines Gerät aus der Schultasche. Erst piekst sie sich in den Finger, dann lässt sie ein klein bisschen Blut auf einen weißen Streifen tropfen. Sie sagt, dass sie so feststellen kann, wie hoch ihr Blutzucker ist. Wenn der unter einem bestimmten Wert ist, muss sie ihr Pausenbrot schon früher essen - manchmal auch Traubenzucker. Damit sie das auch richtig macht, liegt in unserem Klassenbuch ein Zettel, auf dem genau steht, wann Angelina wie viel essen muss. Aber da hat sie schon lange nicht mehr nachgesehen. Und weil alles so gut klappt, kontrolliert auch unsere Lehrerin die Werte nicht mehr.
Für den Notfall liegen aber immer ein paar Stückchen Traubenzucker in der Schublade des Lehrerpults.

Immer mit dabei

Angelina weiß ganz genau, was sie zu sich nehmen darf und was nicht. Die Klasse trinkt immer Kakao in der Frühstückspause - außer Angelina. Sie bringt sich von zu Hause was zu Trinken mit, weil im Kakao zu viel Zucker ist. Pausenbrote dürfen wir nicht mit ihr tauschen. Genauso sollen wir ihr keine Süßigkeiten anbieten. Wenn wir das mal vergessen, denkt sie aber selber daran, dass sie diese nicht essen darf. Ich stelle mir das schwer vor, immer "nein" sagen zu müssen.
Hat jemand von uns Geburtstag, gibt es immer Kuchen. Damit Angelina mit uns mit feiern kann, bringen wir ihr immer extra etwas mit, wo kein Zucker drin ist. Das ist für uns schon ganz normal.

Auch beim Turnunterricht ist sie dabei. Vorher piekst sie sich noch mal in den Finger und isst manchmal noch was. Sonst wird ihr beim Sport schwindelig.
Das sind eigentlich die einzigen Momente, wo wir merken, dass Angelina krank ist. Dabei ist das gar nicht so einfach zu sehen, da sie ja ganz gesund aussieht und immer alles mitmachen kann. Unsere Lehrer behandeln sie ja auch nicht anders als uns. Für uns ist sie eine ganz normale Klassenkameradin und Freundin.

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Autor: Ramona Völkl

Quelle: Besuch in der Gemeinschaftsgrundschule "Im Reimel", Duisburg am 4.10.2004

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