Erstellt am: 20.10.2005
Letzte Änderung am: 20.10.2005
Wer Diabetes hat, muss gerade am Anfang viel lernen: Wie misst man richtig? Was darf man essen? Was tut man bei Unterzuckerung? Dies sind nur einige von vielen Fragen, die beantwortet werden müssen. Doch nicht immer können die Elter dabei helfen, da sie wenig Zeit haben oder sich selbst nicht so gut auskennen.
In Lüdenscheid leben über 50 Kinder im "Zentrum für jugendliche Diabetiker" unter einem Dach zusammen. Hier lernen sie, wie man mit Diabetes umgeht und was beachtet werden muss.
Ob ein junger Diabetiker nach Lüdenscheid kommt, entscheiden das Kind, der Arzt und die Eltern gemeinsam. Natürlich kann das Zuhause besucht werden - viele der Kids sind jedes Wochenende bei ihrer Familie oder Freunden.
Sind die sechs Monate verstrichen, setzen sich das Kind, die Eltern und Betreuer des Zentrums noch einmal zusammen und klären, ob der Aufenthalt verlängert wird.
Alle Fragen werden beantwortet - nicht nur zum Thema Diabetes
Natürlich sollen die jungen Gäste in Lüdenscheid vor allem lernen, wie sie mit ihrer Erkrankung selbstständig umgehen. Deshalb gibt es hier viele Menschen, die sich mit Diabetes richtig gut auskennen.
Die Diabetesberaterin Alexandra Vulcu beantwortet alle großen und kleinen Fragen rund um die Zuckerkrankheit. Und nicht nur das: Auch bei Problemen oder Fragen, die gar nichts damit zu tun haben, hilft sie den Kids gern. So ein Gespräch mit Frau Vulcu ist ganz anders als beim Arzt: In gemütlicher Atmosphäre wird alles in Ruhe besprochen. Zweimal am Tag prüft sie die Blutzuckerwerte eines jeden Kindes. Diese werden dann in ein Tagebuch eingetragen. Außerdem findet jede Woche eine Schulung statt.
Damit die Kids später auch alleine gut mit dem Diabetes umgehen können, lernen sie in Lüdenscheid, selbstständig zu werden. Die älteren Kinder müssen sich zum Beispiel ihre Teststreifen selbst bestellen.
Das Leben in der Wohngemeinschaft
Ihr denkt, so eine Einrichtung für Diabetiker ist langweilig und streng? Gar nicht! Das Haus liegt mitten in der Stadt, so dass dessen Bewohner eine Menge machen können. In der Stadt gehen sie dann natürlich auch in die Schule. Außerdem sieht das Diabeteszentrum alles andere als trist und grau aus: Mit viel Farbe und schönen Bildern wurde hier nachgeholfen.
Jeweils zehn Kinder und Jugendliche wohnen zusammen in einer richtigen Wohngemeinschaft (WG). Das ist gar nicht immer so leicht - aber irgendwie auch ganz schön cool. Jede WG besteht aus Einzel- und Zweierzimmern, einem Aufenthaltsraum, einem Bad, einem Hausaufgabenbereich und einem Betreuerzimmer. Die Räume können die Kids selbst gestalten, z.B. mit Postern, Tüchern oder Bildern. Es steht immer mindestens ein Betreuer zur Verfügung. Ob Liebeskummer oder eine Frage zur Blutzuckermessung - sie sind immer zur Stelle!
Damit das Zusammenleben in der Wohngemeinschaft funktioniert, hat man natürlich nicht nur Rechte, sondern auch einige Pflichten. So müssen alle für Frühstück und Abendbrot selbst sorgen, und am Wochenende kocht eine der WGs für alle anderen. Aber daran gewöhnt man sich schnell. Jede Wohngemeinschaft bekommt ein eigenes Taschengeld für das Essen, mit dem sie auskommen müssen. Das hat auch Vorteile: Wenn Geld übrig bleibt, kommt es in die Freizeitkasse.
Viel freie Zeit für Sport, Workshops und Partys
Und was machen die Kids in der Freizeit? Das Diabeteszentrum hat eine Menge zu bieten: Basketball, Fußball, Schwimmen ... im Haus gibt es sogar eine eigene Schwimm- und Sporthalle! Außerdem werden regelmäßig Workshops angeboten, zum Beispiel in Seidenmalerei oder Instrumentenbau.
Dann gibt es auch noch eine Disko, Ausflüge, viele Feste und ein Mal im Jahr wird ein Theaterstück aufgeführt. Jeden Monat treffen sich Betreuer und Kids zu einem großen Brunch. Hier werden Preise verliehen: für den besten Schüler, den besten Zimmeraufräumer, den am besten eingestellten Diabetiker und für vieles mehr.
Der Abschied
Der Aufenthalt im Zentrum für jugendliche Diabetiker gefällt vielen Kids so gut, dass ihnen der Abschied oft schwer fällt. Während ihrer Zeit in Lüdenscheid haben sie nicht nur gelernt, eigenständig mit Diabetes umzugehen. Sie haben auch viele Gleichaltrige getroffen, mit denen sie weiterhin Kontakt haben können. Und sind hier schon neue Freundschaften entstanden.
Autor:
Carolin Bunge
Steffi Dörries
Wiebke Raue
Quelle: Besuch des Zentrums für jugendliche Diabetiker e.V. in Lüdenscheid