Erstellt am: 20.01.2010
Letzte Änderung am: 20.01.2010
Die neuen Zahlen zum Drogenkonsum in Deutschland sind erschreckend: Mehr als 25.000 Minderjährige mussten demnach 2009 wegen der Alkoholvergiftung behandelt werden. Die meisten Kinder überleben diese Vergiftung glücklicherweise. Wer sich jedoch häufig so sehr betrinkt, dem drohen neben der akuten Vergiftung auch andere Folgen. Die Erkrankung an Diabetes beispielsweise.
Die neue Drogenbeauftragte, Mechthild Dyckmans, verkündete Mitte Dezember einen traurigen Rekord: Rund 25.700 volltrunkene Kinder und Jugendliche mussten im Jahr 2009 in der Notaufnahme behandelt werden. Sie hatten sich so stark betrunken, dass ihnen der Magen ausgepumpt werden musste. Diese Kinder sind der traurige Rekord der Entwicklung der letzten zehn Jahre. Die exzessive Trinkerei, welche gern als ihre Jugendsünde abgetan wird, könnte sie teuer zu stehen bekommen. Wer regelmäßig Alkohol konsumiert, riskiert nämlich unter anderem eine akute oder chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse und damit einen Diabetes.
Pankreatitis durch Alkoholmissbrauch
Zu den häufigsten Ursachen chronischer oder akuter Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gehört Alkoholmissbrauch. Wer pro Tag ca. 150 Gramm Alkohol, (z. B. 6 Flaschen Bier) trinkt, muss nach 6 bis 12 Jahren mit einer entzündeten Bauchspeicheldrüse rechnen. Häufig in Kombination mit Nikotinsucht (Rauchen) und genetischer Veranlagung ist Alkoholmissbrauch in 70% aller Fälle die Ursache für diese Erkrankung. Eine entzündete Bauchspeicheldrüse macht sich im Anfangs- und im mittleren Stadium durch starke Schmerzen im Oberbauch bemerkbar, die gürtelförmig bis in den Rücken ausstrahlen können. Weitere Symptome sind beispielsweise Übelkeit und Erbrechen, Fieber und Darmverstopfung. Bei fortgeschrittener Entzündung kann es außerdem zu Gelbsucht, einem Wasserbauch und zu auffälligen Flecken oder Blutergüssen in der Bauch- und Leistengegend kommen.
Was hat Alkoholmissbrauch mit Diabetes zu tun?
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist für die Produktion und die Ausschüttung des Hormons Insulin zuständig. Bei einem Diabetes ist diese Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse jedoch so gestört, dass gar kein oder nur noch sehr wenig Insulin produziert wird. Die Ursachen dafür, dass die Bauchspeicheldrüse diese Funktion einstellt, sind unterschiedlich. Eine Ursache kann jedoch die chronische oder akute Entzündung (Pankreatitis) der Bauchspeicheldrüse sein. Je nachdem, wie weit diese fortschreitet, kann die Insulinproduktion dauerhaft gestört oder behindert werden. Dabei kann der Körper meist zwar noch etwas Insulin produzieren, doch diese Menge reicht nicht mehr aus, um den Blutzucker selbstständig zu regulieren.
Warum sind Kinder und Jugendliche besonders gefährdet?
Die Drogenbeauftragte Dyckmans ist der Ansicht, dass früher und schwerer Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen die Gefahr für langjährigen Alkoholismus fördert. Gerade die ganz Jungen zwischen 10 und 14 Jahren trinken erst einmal nicht mir Genuss, sondern meist um erwachsener zu wirken oder schlicht aus Gruppenzwang. „Tragisch ist, dass bei Kindern nur sehr selten ein Lerneffekt einsetzt“, sagt Gerd Horneff, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Asklepios-Klinik Sankt Augustin gegenüber Spiegel Online. Kinder „können ihr Unwohlsein meist nicht mit der Wirkung des Alkohols in Verbindung bringen.“ Zuletzt hatte der Fall eines lebensgefährlich betrunkenen 7-jährigen in Berlin für ein breites Medienecho gesorgt.
Autor: Meike Dackweiler
Quelle:
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2010/01/Forum-Analysehttp://www.zeit.de/zeit-wissen/2010/01/Forum-Analyse
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,660194,00.html
http://www.bmg.bund.de/cln_169/nn_1191726/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/Drogenbeauftragte/2009/09-12-15_20PM_20Krankenhauseinlieferungen_20Alkohol.html?__nnn=true
http://www.diabetesgesellschaft.ch/de/djournal/archiv/wissen/diabetes_und_alkohol_16303/