Erstellt am: 22.10.2009
Letzte Änderung am: 22.10.2009
Eine neue Impfung soll Kinder mit niedriger Glukosetoleranz vor einem drohenden Typ-1-Diabetes schützen. Ob das wirklich möglich ist, soll nun unter anderem eine Studie der Technischen Universität München endgültig belegen.
Ein Diabetes mellitus vom Typ-1 entsteht, wenn das Immunsystem in einer Fehlreaktion die eigene Bauchspeicheldrüse angreift und dabei die Insulin produzierenden Zellen zerstört. Aufgrund einer Entzündungsreaktion, die unterschiedlich lange dauert, kann die Bauchspeicheldrüse ihre Funktion nicht mehr wahrnehmen und der Diabetes macht sich bemerkbar. Die Manifestation des Diabetes kann sich je nach Schädigung hinziehen, so dass schon Babys oder erst Erwachsene erkranken. Wie es allerdings zu der Fehlleistung des Immunsystems, also zur genauen Ursache des Diabetes, kommt ist weiterhin ungeklärt.
Impfung gegen Typ-1-Diabetes?
Wenn mehrere Verwandte eines Kindes an einem Typ-1-Diabetes erkrankt sind, ist das genetische Risiko für das Kind stark erhöht ebenfalls an einem Diabetes zu erkranken. Dagegen könnte nun möglicherweise die frühzeitige Gabe von kleinen Dosen Insulin als eine Art Schutzimpfung helfen. Im Gegensatz zu Typ-1-Diabektikern mit einem manifesten Diabetes dient das Insulin für gefährdete Kinder jedoch nicht dazu, ihren Blutzucker zu senken. Es soll das Immunsystem beeinflussen und die fatale Fehlreaktion gegenüber der Bauchspeicheldrüse auf lange Sicht verhindern. Zwei Studien sollen nun in Österreich, Italien, Großbritannien, Kanada, den USA und in Deutschland untersuchen, wie viel Insulin für die Prävention geeignet ist und wie es eingenommen werden muss. Das Hormon könnte beispielsweise in sehr geringer Dosierung über den Mund oder als Nasenspray verabreicht werden. Bei oraler Einnahme hat Insulin keinen Blutzucker senkenden Effekt, weil es durch die Magensäure unwirksam wird. Mit dem Hormon sollen nur Kinder behandelt werden, die zwar erblich mit einem hohen Diabetes-Risiko belastet sind, aber noch keinerlei Symptome der Erkrankung zeigen.
Wer kann an der Präventionsstudie teilnehmen?
In Deutschland werden Versuchsteilnehmer im Alter von 18 Monaten bis zu 7 Jahren gesucht, bei denen eine familiäre Vorbelastung mit Diabetes gegeben ist. Hinweise für ein hohes Erkrankungsrisiko sind bereits bestehende Diabetes-Typ-1-Erkrankungen bei Geschwisterkindern oder den leiblichen Eltern. Vor der Studienteilnahme wird das individuelle Diabetesrisiko des teilnehmenden Kindes bestimmt. Die Untersuchungen und Behandlungen während der Studien sind für die teilnehmenden Familien kostenlos. Unterstützt wird die Studie durch das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung und die amerikanische Studienstiftung für Diabetes. Die Studie trägt den Namen „Pre-Point“ und wird in Deutschland von Professor Ezio Bonifacio an der TU München durchgeführt. Für die 18-monatige Studie werden insgesamt 40 Kinder gesucht.