Erstellt am: 05.03.2010
Letzte Änderung am: 05.03.2010
Der Einsatz der Disease Management Programme ist endgültig in Niederösterreich beendet worden, bestätigt Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer. Bereits im Herbst 2009 wurde den Programmen aus Sicht der Ärztekammer kein Nutzen für die Patienten nachgewiesen, woraufhin sie vom Beschluss des Kammervorstandes erstmals abgesetzt wurden. Es hieß, dass die Programme lediglich bürokratischen Zusatzaufwand seitens der Ärzte und in letzter Konsequenz damit sogar eine Verschlechterung der Patientenversorgung mit sich gebracht hätten.
Die Lösung, die Behandlung von chronisch Kranken wie zum Beispiel Diabetiker zur Kostenkontrolle zu managen, stammt aus den 70/80er Jahren aus den USA. In Deutschland wurde dieser Ansatz erstmals 2002 eingeführt und umgesetzt. Hintergrund der Disease Management Programme ist es einen systematischen Behandlungsansatz, mit dem Ziel zu schaffen für chronisch Kranke eine kontinuierliche und qualitativ hochwertige Versorgung nach dem neuesten Stand der Wissenschaft zu organisieren.
Strukturierte Versorgung bei Diabetes mellitus
Diabetes mellitus kann die Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung Betroffener empfindlich beeinträchtigen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Lebensqualität der Patienten allerdings durch eine frühzeitige Diagnostik, eine qualifizierte Schulung und Betreuung sowie eine individuelle Therapie deutlich verbessert werden kann und sich auf diese Weise zusätzlich die Behandlungskosten reduzieren lassen. Spezialisten folgerten, dass eine spezielle Behandlung jedoch ebenso eine spezielle technische Umsetzung sowie eine besondere Qualifikation der Ärzte erfordern. Aus diesem Grund wurden die strukturierten Diabetes-Versorgungsprogramme, Disease Management Programme (DMP) genannt, in Deutschland eingeführt.
Ziele von Disease Management Programmen
Das eingeführte Modell der DMPs versprach Erfolge und neue Perspektiven für chronisch Kranke. Die Einführung des Programms in die Gesetzliche Krankenversicherung sollte eine systematische, sektorenübergreifende und evidenzbasierte Regelversorgung zur Sicherung von Versorgungsqualität und Kosteneffektivität gestalten. Erreicht wurde dies zum Teil durch spezielle Fortbildungen der Leistungserbringer sowie der Patienten, einer intensivierten Betreuung des Hausarztes, einer Qualitätssicherung durch Dokumentationsbögen und Feedbackberichte, einer Finanzierung aus dem ambulanten und stationären Bereich sowie einer medizinisch und ökonomischen Evaluierung und einem Daten- und Informationsmanagement. Verschiedene Studien belegten zunächst fortschrittliche Ergebnisse des Programms. Laut AOK-Bericht verbesserten die DMP durch häufigere Kontrollen der Patienten die Versorgung chronisch Kranker: Diese würden bessere medizinische Werte haben und zusätzlich eine niedrigere Sterblichkeit aufweisen. Dr. Herbert Reichelt, der Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes sagte: „Die positiven Ergebnisse zeigen, dass wir mit den strukturierten Behandungsprogrammen den richtigen Weg eingeschlagen haben.“
Beurteilung von DMP der Niederösterreichischen Ärzte
Da jedem Lob, aber auch immer Kritik folgt, werden die Programme nicht von allen als Erfolg oder Hilfe bewertet. Die Beurteilung von DMP der Niederösterreichischen Ärzte ist alles andere als positiv ausgefallen. Mit den Programmen seien unzumutbare Hürden für Ärzte- und Patienten aufgetreten. Ärztekammerpräsident Dr. Reisner nennt als einen Aspekt unter anderem die Schulungsverpflichtung für teilnehmende Ärzte in Grundlagen des Arztberufs. Er hebt hervor, dass durch die Verpflichtung, zusätzliche Schulungen als Grundvoraussetzung für die Behandlung der Diabetiker absolvieren zu müssen, sich die Anzahl der legitimierten Ärztinnen und Ärzte reduziere. Und auch auf der Patientenseite zeigt er einige Nachteile auf. Dr. Reisner erläutert, dass es durch die Notwendigkeit einer Unterschrift seitens der Patienten zu einer Selektion kam und besonders die dringlichen Problemfälle im Rahmen des DMP-Projektes nicht erfasst werden konnten. Er hebt hervor, dass mehr als 90 Prozent der betroffenen Patienten in Niederösterreich nicht erfasst wurden. Damit hat sich aus Sicht der Ärzte keine Verbesserung des ärztlichen Leistungsangebotes eingestellt. Dr. Reisner begründet die Ablehnung der Ärzte damit, dass die Vertreter der Ärztekammer sichergestellt wissen wollten, dass die Versorgung für alle Diabetiker zugänglich ist und auch in weiterer Folge für alle Patienten im Rahmen von vergleichbaren DMP-Projekten für andere Krankheitsbilder. Da die bisherigen DM-Programme dies nicht gewährleisteten, haben die Niederösterreichischen Ärzte diese Programm abgesetzt.
Autor: Kerstin Kirchner
Quelle:
http://www.pr-inside.com/de/disease-management-programm-f-252-r-diabetiker-r1691265.htm
http://www.aok-gesundheitspartner.de/bundesverband/dmp/evaluation/elsid/index_16981.html
http://www.medizin.uni-koeln.de/kai/igmg/guta/GutachtenDMP.pdf
http://www.diabetes-world.net/Portal-fuer-Fachleute-Mediziner-und-Therapeuten/Fuer-Aerzte/Disease-Management-Programme.htm?ID=2413&MID=2413