Erstellt am: 15.06.2010
Letzte Änderung am: 15.06.2010
Einer Untersuchung eines schweizerischen Vergleichsportals zufolge macht die wachsende Konkurrenz mit ihren attraktiven Prämien den eher teuren Krankenkassen in der Schweiz mehr zu schaffen denn je. Die Rivalität betrifft vor allem die sich überbietenden Konditionen, die viele Versicherte als Grund ansehen, die Kasse zu wechseln. Zudem sorgt die überraschend hohe Wechselbereitschaft der Kunden für Stirnrunzeln bei den weniger günstigen Anbietern. In Deutschland herrscht unterdessen eine ähnliche Situation wie bei den Eidgenossen.
Zum Umbruch bei der gesetzlichen Krankenversicherung hierzulande hatten vor allen Dingen Zusatzbeiträge, die der Unterfinanzierung des Gesundheitsfonds entgegenwirken sollen, geführt. Aufgrund dieser Regelung (die Beiträge unterscheiden sich von Kasse zu Kasse) herrscht mehr Wettbewerb auf dem Markt. Was wiederum zur Folge hat, dass Versicherte immer häufiger die Chance nutzen, zu einer günstigeren Krankenkasse zu wechseln. Um die Mitglieder zu locken bzw. zu behalten sind die Krankenkassen deshalb herausgefordert mit günstigen und kompetenten Leistungen, um die Kunden zu kämpfen.
Für viele Krankenkassen bringt der Zusatzbeitrag jedoch deutliche Wettbewerbsnachteile mit sich – jahrelange Kunden gehen, neue sind nur schwer zu überzeugen. Über teilweise deutliche Mitgliederzuwächse freuen sich hingegen die wenigen Krankenkassen ohne Zusatzbeitrag. 16 Krankenkassen verlangen derzeit einen Zusatzbeitrag zwischen 8 und 37,50 Euro. Knapp neun Millionen Mitglieder sind in diesen Krankenkassen zur Zahlung der Zusatzbeiträge verpflichtet.
Wechsel macht sich bezahlt
Für die Versicherten zahlt sich die Konkurrenz, die aufgrund der Kassenbeiträge und des Leistungsspektrums zwischen den einzelnen Krankenkassen herrscht, jedoch meistens aus. Ähnlich wie in der Schweiz, wo rund 90 Prozent der Versicherten durch den Wechsel bei den Prämien sparen konnten, werden in Deutschland die Wechselmutigen ebenfalls belohnt. So entrichten derzeit fünf Krankenkassen hierzulande Prämien an ihre Versicherten. Solche Beitragserstattungen sind möglich, weil die gemeinten Kassen Überschüsse erwirtschaften konnten, die sie nun in Form der Zusatzleistungen als Werbung für sich nutzen. Anfang 2010 hatte beispielsweise die hkk entschieden, 60 Euro an die Mitglieder auszuzahlen. Am stärksten jedoch konnten die Kunden der BKK Würth profitieren: einmalig wurden hier 120 Euro für das Jahr 2009 an die Versicherten ausgegeben.
Deutsche Krankenkassen in Not
Neben dem Wechselverhalten der Versicherten wird das Budget der Kassen durch neu eingeführte und teure Präparate, so beispielsweise Krebs- und Rheumaarzneien, belastet. Bislang wird der Preis für diese Medikamente von den Pharmaunternehmen festgelegt. Ein Hoffnungsschimmer bei dieser Debatte sieht man neuerdings beim Pharma-Sparpaket, welches der Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) vorgeschlagen hatte. Das beabsichtigte Programm umfasst vor allem höhere Zwangsrabatte und ein Einfrieren der Medikamentenpreise. Zudem plant man, Verhandlungsmöglichkeiten zwischen Herstellern und den Kassen durchzusetzen.
Doch dabei endet die Liste der Probleme des Gesundheitssystems und ihrer Vertreter noch lange nicht. So plagt die Kassen die Vorstellung, dass ihnen jährlich bis zu 1,5 Milliarden Euro Zusatzkosten aufgebürdet werden, wenn das so genannte Gesetz über die Hausarztverträge weiter Bestand hat. Die Idee der Politik dabei war, den Hausarzt zum „Lotsen im Gesundheitssystem" zu machen. In ihrem Brandbrief appellieren nun Krankenkassen wie AOK, Barmer/GEK, DAK und KKH Allianz an Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), dass es bei dieser hausärztlichen Versorgung „zu einer Ausgabenexplosion bisher nicht gekannten Ausmaßes“ kommen könne.
Kann die Fussball WM helfen, die Kunden zu behalten?
Verzweifelte Situationen verlangen verzweifelte Maßnahmen. Das scheint gerade die Devise unserer Krankenkassen zu sein. Da die Kassen den weiteren Kundenverlust fürchten, scheinen sie einen Plan gefasst zu haben, den der DAK-Vorsitzender Herbert Rebscher neuerdings vorsichtig angesprochen hatte: das WM-Fieber ist gerade in Deutschland ein Ausnahmezustand, der bewirken kann, dass viele Menschen den Blick für die alltäglichen Dinge verlieren. Daher, so Rebschers Befürchtung, könnten einige Krankenkassen während der WM 2010 die Euphorie der Öffentlichkeit für die Einführung von weiteren Zusatzbeiträgen nutzen, in der Hoffnung, dass diese von der feiernden Menge nicht sofort wahrgenommen wird. In diesem Fall könnten viele Versicherte Fristen verpassen, was die Kündigungswelle bei den betroffenen Krankenkassen (kurzfristig) abmildern würde.
Indessen werden seitens der Politik weitere Erhöhungen der Zusatzbeiträge für das kommende Jahr 2011 geplant. Es ist also zu erwarten, dass diese Entwicklung eine weitere Wechselwelle innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung zur Folge haben wird - für die Kassen in der Tat keine rosigen Aussichten.
Autor: Beata Mazuryk
Quelle:
http://www.pressetext.de/news/100602013/krankenkassen-spueren-starken-konkurrenzdruck/
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/41539/Krankenkassen_kritisieren_Hausaerzteverband.htm
http://www.zusatzbeitrag.com/
http://www.1a-krankenversicherung.org/nachrichten/20100610/8954/neuer-infoservice-zum-zusatzbeitrag-gestartet/