Erstellt am: 18.01.2011
Letzte Änderung am: 18.01.2011
Die aktuelle Debatte um mit Dioxin kontaminierte Lebensmittel spitzt sich zu. Mittlerweile sind Agrar-Betriebe in mindestens zehn Bundesländern betroffen. Das Problem erfasst sowohl Farmen mit Legehennen als auch Schweine- und Putenzuchtanlagen. Allein in Niedersachsen bleiben rund 1000 Bestände gesperrt.
Angesicht der vielen Medienberichte fühlen sich viele Verbraucher verunsichert. Die Mehrheit klagt, über die Risken nicht genug informiert worden zu sein. Dies belegt die aktuelle Umfrage des TNS-Emnid für das Magazin „Fokus“. Demnach sind rund 62 Prozent der 1002 befragten Personen durch den Lebensmittelskandal verunsichert, nur 34 Prozent sind mit den vermittelten Informationen zufrieden. Die Sorgen der skeptischen Verbraucher sind dabei nicht unbegründet. Dioxine haben nachweislich gesundheitsschädigendes Potenzial. Sie erhöhen das Risiko, Diabetes mellitus zu entwickeln und sind ein bekannter Auslöser von Krebserkrankungen.
Wie kam das Gift ins Futter?
Bei Dioxinen handelt es sich um Umweltgifte, die vor allem infolge von Verbrennungsprozessen entstehen oder als Altlasten aus früherer industrieller Produktion im Boden enthalten sind. Aus der Umwelt gelangen die schädlichen Substanzen in Böden und Pflanzen – der Weg in Lebens- und Futtermittel ist von hier nicht mehr weit. Im Falle des aktuellen Lebensmittelskandals gelangten Stoffe mit hohen Dioxingehalten in das Futter bereits während dessen Herstellung. Dies könnte bei der direkten Trocknung, aber auch durch verunreinigte Roh - oder Hilfsstoffe oder aufgrund einer Kontamination bei Transport - oder Lagerprozessen geschehen sei. Wird das kontaminierte Produkt verfüttert, reichern sich die Dioxine in tierischen Geweben an. Fleisch, Milch, Eier gelangen dabei „verseucht“ zum Verbraucher.
Nach derzeitigem Stand des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) haben Lieferungen verunreinigter technischer Mischfettsäure den aktuellen Lebensmittelskandal zu verantworten. Diese Substanzen waren ursprünglich für technische Zwecke bestimmt, wurden jedoch zur Herstellung von Futterfett verwendet. Dieses Futterfett wurde von einer Firma aus Schleswig-Holstein an zahlreiche Mischfutterhersteller in mehreren Bundesländern geliefert.
Dioxin und Diabetes
Dioxine stellen eine Gefahr für die Gesundheit dar. Deshalb sollte die Aufnahmemenge so gering wie möglich gehalten werden. Hohe Dosen dieser Umweltgifte haben beispielsweise eine schädigende Wirkung auf Leber und Schilddrüse. Zudem besteht eine erhöhte Gefahr, Tumorerkrankungen zu entwickeln. Da die Dioxin-Belastung auch die Insulinempfindlichkeit zu verschlechtern scheint, erweitert sich die Liste der möglichen Erkrankungen durch Diabetes. In den letzten Jahren haben Studien aus den USA aber auch aus Deutschland auf die Tatsache aufmerksam gemacht, dass Umweltschadstoffe wie Feinstaub oder Bisphenol A die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Ähnliches konnte nun für Dioxin nachgewiesen werden. Taiwansche Forscher haben anhand einer Untersuchung mit 1449 Probanden herausgefunden, dass die erhöhte Dioxinbelastung tatsächlich mit einer verschlechterten Insulinempfindlichkeit einhergeht. Andere Diabetes begünstigende Faktoren wie Übergewicht waren dabei bereits berücksichtigt worden.
Aktionsplan "Verbraucherschutz in der Futtermittelkette"
Nach Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sei bei kurzfristigem Verzehr von Eiern und Fleisch mit den bisher festgestellten Gehalten keine unmittelbare gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten. Öffentliche Warnungen erfolgten seitens der Länder deshalb nicht. Dennoch wurde anhand der bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse ein Maßnahmebündel beschlossen, um ähnliche Skandale künftig zu vermeiden. Bundesministerin Ilse Aigner hat deshalb am 14. Januar 2011 einen Aktionsplan zum Verbraucherschutz in der Futtermittelkette vorgestellt. So müssen Hersteller von Futterfetten in der Zukunft eine Zulassung beantragen, die an strenge Auflagen geknüpft ist. Zu den weiteren Anforderungen gehören ferner: die strikte Trennung der Produktionsströme, die Ausweitung rechtlicher Vorgaben für die Futtermittelkontrolle, eine Meldepflicht für private Labors, eine rechtlich verbindliche Positivliste, die Pflicht zum Abschluss von Betriebs- und Produkthaftpflichtversicherungen für Futtermittelhersteller und eine Überprüfung des Strafrahmens bei Verstößen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Das angestrebte Dioxin-Frühwarnsystem soll den Lebensmittelmarkt für die Verbraucher transparenter gestalten sowie die Qualität der Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung der Länderbehörden verbessern.
Autor: Beata Mazuryk
Quelle:
http://www.diabetes-ratgeber.net/Diabetes-Typ-2/Dioxin-Belastung-erhoeht-Diabetesrisiko-102201.html
http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Verbraucher/Mehrzahl-der-Deutschen-vermisst-Informationen-zu-Dioxin_article1295170820.html
http://www.bmelv.de/cln_181/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Tier/Futtermittel/AktionsplanVerbraucherschutzFuttermittel.html
http://www.bmelv.de/cln_172/SharedDocs/Standardartikel/Ernaehrung/SichereLebensmittel/Rueckstaende-Verunreinigungen/Dioxin/DioxinHaeufigGestellteFragen.html