Erstellt am: 07.04.2011
Letzte Änderung am: 07.04.2011
Die Reaktorkatastrophe im japanischen Küstenort Fukushima beschäftigt auch zunehmend die Lebensmittelbranche. Berichte vom radioaktiv belastetem Spinat und Trinkwasser plagen jedoch nicht nur die Menschen vor Ort. Auch der deutsche Verbraucher ist verunsichert: Ist der Gang zur Fischtheke noch unbedenklich?
Die radiologische Situation in der Umgebung des havarierten Reaktors ist Experten zufolge besorgniserregend. Die bisher durchgeführten Messungen haben eine deutlich über dem Grenzwert liegende Strahlenbelastung ergeben und die Gefahr ist noch immer nicht gebannt, da die Lage immer noch nicht unter Kontrolle ist.
Experten: Keine verseuchten Nahrungsmittel aus Fernost
Japan ist im geringen Maß ein Exportland für Pilze, Tee, Gewürze und Fischdelikatessen. Hauptsächlich ist das Land ein Lebensmittelimporteur. Nicht zuletzt aufgrund der ohnehin geringen Menge der importierten Meeresprodukte, schließt das Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei in Braunschweig derzeit aus, dass Menschen in Deutschland durch verseuchte Fische gefährdet sind. Ähnlich schätzen auch weitere Institute und Ämter die jetzige Situation ein. So etwa beispielsweise das Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), welches für die Überwachung der Umweltradioaktivität in Fischen und Fischereiprodukten aus Nord-, Ostsee und dem Nordatlantik zuständig ist. Eine Gefährdung der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland durch kontaminierten Fisch aus Japan könne zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden, so die vTI-Pressestelle. Die größten Fanggebiete für den Alaska-Seelachs ist der Beringsee, eine der für uns wichtigsten Fischarten aus dem Pazifik, lägen mehr als 2500 Kilometer von Fukushima entfernt. Dort sei nach jetziger Datenlage nicht mit einer nachweisbaren Erhöhung der radioaktiven Stoffe im Meer durch die Ereignisse in Japan zu rechnen.
Ableitung des Reaktorwassers
Jedoch strömt noch immer radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem japanischen AKW in den Pazifischen Ozean. Auch die Kühlpumpen konnten immer noch nicht repariert werden. Aus diesem Grund muss das AKW weiterhin von außen mit Wasser gekühlt werden, was noch mehr belastetes Wasser verursacht. Der AKW Betreiber Tepco leitet deswegen absichtlich tausende Tonnen schwach kontaminiertes Wasser ins Meer. So soll Platz für stärker verstrahltes Löschwasser in dem Reaktor geschaffen werden. Nach Angaben der Regierung soll aber keine Gesundheitsgefahr bestehen. Die entwarnende Argumentation der Behörden: Die hohe Strahlenbelastung am Auslauf der Kühlkreisläufe der defekten Reaktoranlage verdünne sich deutlich aufgrund der Strömungsmuster. Deshalb sei eine Kontamination der Fischbestände sehr unwahrscheinlich. Die langfristigen Folgen für das empfindliche Ökosystem im Pazifik, lassen sich jedoch noch nicht genau absehen.
Export-Lebensmittel: zurzeit keine strahlende Fracht an deutschen Flughäfen
Entwarnung geben die Behörden auch im Hinblick auf derzeitige Exporte aus Japan. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gibt es zurzeit keine Erkenntnisse darüber, dass sich "verstrahlte" Lebensmittel oder Futtermittel japanischer Herkunft in Deutschland oder auf dem Weg in die EU befinden. Die Tatsache, dass Japan fast ausschließlich Spezialitäten in vergleichsweise geringer Menge auf den deutschen Markt bringt, senke das Risiko für die Überflutung der hiesigen Geschäfte mit radioaktiv belasteten Produkten zusätzlich. Dies gilt auch für Fischdelikatessen und Fischprodukte: Aufgrund des enormen Inlandsverbrauchs exportiert Japan relativ wenig Meeresgetier. Die küstennahe Fischerei produziert hauptsächlich für den lokalen Markt. Darüber hinaus wird im Pazifik gefangene Ware bereits am Hafen auf mögliche Radioaktivität geprüft.
Autor: Beata Mazuryk / Anna Steinweger
Quelle:
http://www.apotheken-umschau.de/Ernaehrung/Verstrahlt-Fisch-und-Pilze-weiterhin-essbar-107121.html
http://www.vti.bund.de/no_cache/de/startseite/presse/pressemitteilungen-informationsseite/Pressemitteilung/keine-gefahr-durch-kontaminierten-fisch-fuer-deutsche-verbraucher-erwartet.html
http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Ernaehrung/ReaktorZwischenfallJapan.html
http://www.bfr.bund.de/de/lebensmittelsicherheit/fragen_zu_einer_moeglichen_radioaktiven_belastung_von_lebens__und_futtermitteln-69622.html